Landkreis Rotenburg. Gewalt gegen Frauen und Mädchen: Zu diesem Thema haben die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Rotenburg (Wümme) und Tim Heitmann von der Firma „BEESCAPE“ ein Escape-Spiel entwickelt. Damit betreten sie völliges Neuland, denn bisher gibt es keine ähnlichen Projekte. Passend zum Orange Day wird der Raum im Aktionszeitraum vom 24. November bis zum 19. Dezember kostenfrei mehreren Schulen im Kreisgebiet zur Verfügung gestellt. So können sich die Schülerinnen und Schüler dem Thema interaktiv nähern. Wer an diesem Raum interessiert ist, kann ihn ab nächstem Jahr für seine Projekte mieten.
Ziele und Inhalte
Ziel des Projekts „Der Fall Lena“ ist es, Inhalte rund um Gewalt gegen Frauen und Mädchen anschaulich und greifbar zu machen. Das Spiel lässt Schülerinnen und Schüler in einen Fall von psychischer Gewalt abtauchen. Sie betreten einen nachgestellten Raum, der Lena und ihrem Partner gehört. Ihre Aufgabe ist es, innerhalb einer begrenzten Zeit Beweise zu sammeln, die Aufschluss über Lenas Situation geben.
Anstatt passiv zuzuhören, werden die Jugendlichen zu aktiven Ermittlerinnen und Ermittlern, die durch das Lösen von Rätseln die Mechanismen von Missbrauch, Manipulation und Isolation aufdecken.
Es werden Anlaufstellen, Beratungs- und Hilfsangebote sowie weitere relevante Informationen vermittelt. Das Escape-Spiel bietet eine interaktive Alternative zu Vorträgen, Ausstellungen oder Kundgebungen und soll Interesse wecken sowie für das Thema sensibilisieren. Es geht darum, Grenzüberschreitungen und erste Zeichen von Gewalt sichtbar zu machen und passende Hilfsangebote aufzuzeigen.
Aufbau, Kooperation
Die Idee zu diesem Spiel hatte die Gleichstellungsbeauftragte Katja Wesse. Mit Tim Heitmann von „BEESCAPE“ fand sie einen passenden und engagierten Projektpartner. In enger Zusammenarbeit mit Laura Meyer, der stellvertretenden Gleichstellungsbeauftragten und Sandra Klencke vom Frauenhaus/BISS wurden Inhalte entwickelt und der Ablauf festgelegt.
„Wir wollten neue Wege gehen und die Schülerinnen und Schüler direkt beteiligen. Gezeigt wird kein Umfeld mit körperlicher Gewalt, sondern eine Situation, die auf den ersten Blick nicht so offensichtlich ist“, erläutert Katja Wesse. „Ein Escape-Spiel transportiert spielerisch die Botschaft, dass Gewalt überall vorkommen kann. Die Lerninhalte werden aktiv erlebt statt nur gelesen oder gehört“, so Tim Heitmann.
„Ich finde es gut, dass wir als Landkreis mit diesem Escape-Spiel neue Wege gehen. Nach dem Durchspielen gibt es sofort Feedback und Anlässe zu Diskussionen. Die Schülerinnen und Schüler tauschen sich, begleitet von ihren Lehrerinnen und Lehrern, zu dem wichtigen Thema Gewalt gegen Frauen aus. Dieses komplexe Thema kann so sensibel aufgearbeitet und unterstützend begleitet werden“, so Landrat Marco Prietz.
Einsatzorte
Der mobile Raum wurde zunächst in einem Raum des Landkreises aufgebaut und eröffnet. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten ihn dort testen. Im weiteren Verlauf wird der Escape-Room an verschiedenen Schulen aufgebaut, beginnend mit der IGS Rotenburg, danach dem Kivinan-Berufsbildungszentrum, der Ostetalschule KGS Sittensen und dem Schulzentrum Bremervörde.
Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren. Nach Bedarf kann Sandra Klencke nach Absprache für die Schulen zu Nachbereitungsgespräche hinzugezogen werden.
Raum gegen Gebühr mieten
Nach Ablauf des Aktionszeitraums wird der Raum eingelagert und kann später gegen eine Gebühr wieder bereitgestellt werden. So können ihn Schulen oder andere Einrichtungen weiterhin nutzen.
Unterstützer und Förderer
Das Projekt wird durch CEDAW Niedersachsen mit Fördermitteln unterstützt. Im Rahmen des Projekts „Gleichstellung sichtbar machen – CEDAW in Niedersachsen“ sollen gleichstellungspolitische Themen vor Ort bearbeitet und die Bedeutung der UN-Frauenrechtskonvention verständlich vermittelt werden. Weitere Sponsoren tragen ebenfalls zum Vorhaben bei.
BUZ: Landrat Marco Prietz, Tim Heitmann (BE ESCAPE), Katja Wesse (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis), Sandra Klencke (Leiterin Frauenhaus) und Laura Meyer (stellvertretende Gleichstellungsbeauftrage Landkreis) im neu entwickelten Escape Room. Foto Landkreis