Sittensen. Ab dem 1. August 2026 haben Erstklässler in Niedersachsen Anspruch auf acht Stunden Betreuung und Unterricht. Schulleitungen müssen für den Ausbau des Ganztags Konzepte entwickeln, haben aber oft mit knappen Ressourcen zu kämpfen. Für alle Beteiligten stellt die Umsetzung dieses Rechtsanspruchs eine große Herausforderung dar. Lernzeiten, Hausaufgaben, verlängerte Mittagspause: Der Ganztag muss neu überdacht und gestaltet werden.
Die Rektorinnen der Grundschulen in der Samtgemeinde Sittensen haben jetzt den Mitgliedern des Schulausschusses ihre vorläufigen Konzepte vorgestellt. Den Anfang machte Kirsten Pierstorff von der Sittenser Grundschule. „Wir haben den Vorteil, dass wir schon lange eine offene Ganztagsschule sind und daher auf unsere Erfahrungen zurückgreifen können“, wusste sie zu berichten. Im Kollegium ist eine Steuergruppe Ganztag eingerichtet worden. In Abstimmung mit dem Schulträger soll zunächst ein Übergangsjahr geschaffen werden, um den Anspruch für Klasse eins zu erfüllen. Pierstorff wies auf ein gravierendes Problem hin: „Der Ganztag wird leider vom Land nicht zu 100 Prozent ausgestattet, sondern nur zu 75 Prozent. Wir brauchen Kooperationspartner, damit wir den Ganztag so vielfältig wie möglich ausgestalten können.“
Die Ganztagsbetreuung für die Klassen zwei, drei und vier bleibt ihren Worten zufolge vom Konzept her unverändert. Von 8 bis 13 Uhr findet die verlässliche Grundschule statt. Will heißen: Die Kinder haben ein Anrecht darauf, fünf Stunden in der Schule betreut zu werden. In den Klassen eins und zwei gibt es einen kleinen Anteil an Betreuungsstunden, genannt Planetenstunden. „Diese drei Stunden liegen variabel im Vormittag. Denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass fast alle Kinder aus den ersten und zweiten Klassen ohnehin bis 13 Uhr geblieben sind“, erläuterte die Rektorin.
Nochmals betonte sie, dass der Ganztag neu überdacht werden müsse, wenn Kinder acht Stunden täglich in der Schule bleiben. „Wir rechnen damit, dass es bei uns sehr viele Kinder sein werden. Derzeit haben wir insgesamt 380 Schülerinnen und Schüler.“
Im nächsten Schuljahr wird mit vier ersten Klassen gerechnet, wobei sich 46 Kinder bereits für den Ganztag angemeldet haben. Herausforderung ist es laut Pierstorff, die Betreuung zu sichern und gleichzeitig in die bestehenden Busfahrpläne zu integrieren. Für die Klassen zwei und drei gibt es eine Frühbetreuung, für die Schülerinnen und Schüler der ersten Klassen gilt eine Ankunftszeit von 7.15 bis 8.15 Uhr. Dafür haben sich rund 18 Kinder angemeldet. Parallel läuft die kostenpflichtige Frühbetreuung für die höheren Jahrgänge. Daran nehmen derzeit 27 Kinder teil. Um 8.20 Uhr beginnt der Unterricht für alle.
Nach Unterrichtsschluss um 13 Uhr gehen die jüngeren Kinder zuerst zum Mittagessen, danach in die Hausaufgabenbetreuung, die von 13 bis 14.15 Uhr dauert. Im Anschluss können sie nach Hause gehen, wenn man in Sittensen wohnt oder abgeholt wird. Denn: Um 14.15 Uhr fährt kein Bus. Kinder, die in den Dörfern wohnen, können zu dieser Zeit nicht nach Hause fahren. In den Klassen drei bis vier ist es anders. Die Kinder beginnen erst mit den Hausaufgaben und gehen dann essen. Sie schaffen es dann, mit dem Bus zu fahren. Von der Auslastung der Mensa her sei es derzeit jedoch nicht anders darstellbar als im Wechselmodell zu essen. Aber auch perspektivisch könnten nicht alle Ganztagskinder gemeinsam Mittag essen, da bei der großen Anzahl an Kindern der Geräuschpegel zu laut sei und daher zu belastend.
Es folgen bis 15.15 Uhr die AG-Angebote der Kooperationspartner, wobei aber auch laut Pierstorff Lehrerstunden eingebunden sind. Aus verschiedenen Gründen ist es ihren Worten zufolge zunehmend schwieriger, geeignete Kooperationspartner zu finden, auch der Kostenfaktor spielt dabei eine Rolle. „Trotzdem haben wir eine gute Mischung an Angeboten, weil wir auch viele Lehrerstunden eingebunden haben“, gab sie zu verstehen. Freitags ist das Interesse an einer Ganztagsbetreuung geringer, deswegen gibt es keine Angebote. Stattdessen ist ein Hort eingerichtet, dessen Nutzung kostenpflichtig ist. Er beginnt nach dem Mittagessen und wird derzeit von 25 Kindern besucht. Für die ersten Klassen wird dieses Angebot laut des Rechtsanspruchs im neuen Schuljahr kostenfrei sein. Bislang hat eine Abfrage nur zehn Kinder ergeben. Für die Betreuung soll noch eine Person dazukommen, die die Zeit bis 15.15 Uhr abdeckt. 37 Kinder bleiben hingegen freitags noch zum Mittagessen.
Pierstorff betonte abschließend, dass die Schule dennoch möglichst viel Flexibilität bieten wolle. Insofern könnten die Kinder um 13 Uhr, 14.15 Uhr oder um 15.15 Uhr gehen.
Die Grundschule Klein Meckelsen ist mit dem Schuljahr 20242025 mit dem offenen Ganztag angefangen. Anders als bei der Sittenser Grundschule setzt Klein Meckelsen das zur Verfügung stehende Geld im Rahmen der Ganztagsbetreuung für einen festen Kooperationspartner ein. Das sind Honorarkräfte des VfL Sittensen. „In Klein Meckelsen ist es schwierig, Leute zu finden, die stundenweise kommen, um Angebote zu übernehmen. Daher haben wir uns für ein anderes Modell entschieden. Alle unsere Ganztagskinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt. In einer Gruppe werden die Kinder von einer Lehrkraft und einer pädagogischen Mitarbeiterin betreut. Sie werden um 12.45 Uhr von der Lehrkraft in Empfang genommen und dann zum Mittagessen, in die Hausaufgabenbetreuung, Draußenspielzeit und das AG-Angebot begleitet werden. In unser Modell haben wir den VfL eingebunden, der mit seinen Honorarkräften einmal täglich ab 12.45 Uhr kommt und in einer anderen Gruppe diese Betreuung durchführt. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder im Ganztag eine feste Betreuungsperson haben. Das ist für eine persönliche Bindung und auch für uns Pädagogen von Vorteil“, stellte Klieber heraus.
Sie gab auch zu verstehen, dass die Eltern in der Klein Meckelser Grundschule den Ganztag nur von 12.45 bis 15.30 Uhr buchen können. „Anders können wir es nicht leisten. Wir haben 72 Prozent Buskinder. Die eingesetzten Kräfte können die Kinder nicht noch zwischendurch zum Bus bringen und warten, bis sie abgeholt sind“, betonte sie. Im neuen Schuljahr gibt es für die Klassen eins morgens von 7.30 bis 8.05 eine offene Anfangszeit. Von 8.05 bis 12.45 Uhr ist Unterricht, danach starten die Ganztagsangebote. Die erste Gruppe mit der Lehrkraft geht von 12.45 bis 13.15 Uhr Mittagessen, die andere mit der VfL-Kraft von 13.15 bis 13.45 Uhr. Danach folgen die Hausaufgabenbetreuung und anschließend die außerunterrichtlichen Angebote. Laut Klieber liegen noch nicht alle Anmeldezahlen für Klasse eins vor, im Moment sei davon auszugehen, dass zehn Kinder am Ganztagsangebot teilnehmen. Die genauen Busfahrzeiten liegen auch noch nicht vor. Klieber führte aus, dass die Eltern in der Frühzeit ab 7.30 Uhr keinen Anspruch auf einen Schülertransport haben. Demzufolge müssten die Kinder gebracht werden. Letzte Abholzeit ist um 15.30 Uhr, die Schule hat einen entsprechenden Antrag gestellt, die Bestätigung des Busunternehmens steht noch aus.
„Wir finden, dass ein gemeinsames Mittagessen zu Hause in der Familie, sofern die Eltern da sind, sehr wichtig ist. Sofern wir nicht dazu genötigt sind, möchten wir nicht, dass das Kind sofort nach dem Mittagessen abgeholt wird. Das würde die Gruppe stören. Deswegen gibt es keine zusätzliche Abholzeit. Es ist für alle gemeinsam um 15.30 Uhr Schluss“, so Klieber abschließend. (hm)
BUZ: Die Schulleiterinnen der Grundschulen Sittensen und Klein Meckelsen, Kirsten Pierstorff (links) und Anne Klieber. Foto Meyer