Rotenburg (Wümme). Nach intensiven Vorbereitungsarbeiten nimmt das Epilepsiezentrum Rotenburg am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg offiziell die neue Video-EEG-Langzeitüberwachung für Kinder in Betrieb. Das interprofessionelle Projektteam hat damit einen wichtigen Meilenstein für die spezialisierte Diagnostik und Behandlung von schwer therapierbaren Epilepsien mit kompliziertem Verlauf erreicht.
Das EEG, die Elektroenzephalografie, ist ein neurologisches Diagnoseverfahren, das die elektrische Hirnaktivität untersucht. Es ist schmerzfrei und ohne Risiko. Zum Einsatz kommt das EEG unter anderem bei Erkrankungen mit epileptischen Anfällen. Die Video-EEG-Überwachung, also die kontinuierliche Aufzeichnung, gilt insbesondere bei komplexen und schwer behandelbaren Epilepsien international als Goldstandard der Diagnostik. Ab sofort ist dieses Monitoring bei Kindern mit einer Epilepsie direkt auf der Station 14 der Kinderklinik des Diakonieklinikums möglich: In einem eigens dafür ausgestattetem Patientenzimmer. Dr. Frank Bösebeck, Abteilungsleiter des zertifizierten Epilepsiezentrums Rotenburg, und Dr. Dr. Svetlana Kappl, Oberärztin der Klinik für Kinder und Jugendliche, haben zusammen mit ihren interprofessionellen Teams das anspruchsvolle und arbeitsintensive Projekt vorangetrieben, so dass das Video-EEG-Monitoring erfolgreich im Rotenburger Krankenhaus implementiert werden konnte.
Durch die kontinuierliche Aufzeichnung von Anfallsereignissen lassen sich präzise Diagnosen stellen und individualisierte Therapieansätze gezielt entwickeln. „Wir erhoffen uns deutliche Fortschritte bei der Behandlung jener Kinder, deren Epilepsien einen komplizierten Verlauf nehmen“, betont Dr. Bösebeck. „Das neue Monitoring ermöglicht es uns, Diagnostik und Therapie noch besser auf die Bedürfnisse unserer jungen Patientinnen und Patienten abzustimmen“, fügt Dr. Dr. Kappl hinzu.
Epileptische Anfälle gehören weltweit zu den häufigsten anfallsartigen Störungen; rund 60 Millionen Menschen leben mit einer chronischen Epilepsie. Das Epilepsiezentrum Rotenburg bietet diesen Patienten seit vielen Jahren eine umfassende, interdisziplinär vernetzte Betreuung auf höchstem medizinischem Niveau. Die enge Zusammenarbeit aller Fachabteilungen des Diakonieklinikums ermöglicht es, Diagnostik und Therapie optimal zu verzahnen – ein entscheidender Faktor angesichts der Vielgestaltigkeit epileptischer Erkrankungen. Seit 2014 ist das Epilepsiezentrum durch die Deutsche Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) offiziell als Epilepsiezentrum zertifiziert. Das neue Video-EEG-Monitoring für Kinder stellt eine wichtige Erweiterung dieses hochspezialisierten Angebots dar.
BUZ: Dr. Dr. Svetlana Kappl (Mitte) mit Dr. Frank Bösebeck (rechts) und Josephine Bartling, Medizinische Technologin für Funktionsdiagnostik, beim Video-EEG-Monitoring. Foto Diakonieklinikum