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Kolumbianisches Ehepaar erfolgreich integriert

Two adults sit close together on a tan sectional couch, smiling at the camera; woman with long braid wearing white shirt and jeans, man with glasses in a white GUESS shirt and green pants.

Sittensen. Der Verein EWIS – „Eine Welt in Sittensen“ – engagiert sich ehrenamtlich für Geflüchtete in Sittensen und unterstützt und begleitet sie in fast allen Lebensbereichen. Ziel ist es, mit vielfältigen Hilfsangeboten Geflüchteten und Asylsuchenden den Einstieg in das Leben in Sittensen und in Deutschland zu erleichtern. Der Verein vernetzt und koordiniert ehrenamtlich Tätige, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen der Integrationsarbeit engagieren.

Im Rahmen persönlicher Fluchtgeschichten berichtet der Verein nun über ein junges Ehepaar aus Kolumbien, Deisy, 31 Jahre und Gonzalo, 32 Jahre alt. Es wohnt seit dem 23. März 2024 in Sittensen.

Im November 2023 haben sie sich mit einem Touristenvisum auf den Weg nach Polen begeben, auf Anregung einer Bekannten, die bereits seit etwa einem Jahr dort lebte. Die Gründe, warum sie ihre Heimat verlassen wollten, lagen in der zunehmenden Unsicherheit im täglichen Leben, das durch Korruption, Gewalt und Willkür geprägt war. Die politische und wirtschaftliche Situation im Land gab ihnen wenig Zuversicht auf ein Leben mit sicheren Perspektiven. 

Nach ihrer Ankunft in Wroclaw, ehemals Breslau, wurden sie zu einem Bauernhof, der als Flüchtlingsunterkunft diente, gebracht. Die Unterbringung und Versorgung waren sehr einfach und unzureichend. Trotzdem waren Deisy und Gonzalo froh, einen Platz gefunden zu haben. Da sie kein Polnisch sprechen und verstehen konnten, haben sie versucht, sich mit anderen Geflüchteten aus Kolumbien auszutauschen, um ihre weiteren Optionen auszuloten. Sie bekamen bald die Möglichkeit, in einem Schlachtbetrieb, in dem Schweinefleisch verarbeitet wurde, zu arbeiten. Die Tätigkeit war körperlich anstrengend und unangenehm. Sie waren sich sehr bald einig, dass sie nicht in Polen bleiben wollten. 

Da ihr Touristenvisum nach drei Monaten ablaufen würde, beschloss das Ehepaar, nach zwei Monaten nach Deutschland zu reisen, um dort einen offiziellen Asylantrag stellen zu können. Sie kamen in ein Aufnahmecamp in Oldenburg in Niedersachsen. Dort wurden sie freundlich aufgenommen und haben erste Deutschkenntnisse erworben, während sie auf den Bescheid der Ausländerbehörde bezüglich ihres endgültigen Wohnortes gewartet haben. Sie wurden Sittensen zugewiesen.

Die Zuteilung einer kleinen Wohnung sowie die notwendigen Formalitäten übernahm das Büro für Migration der Samtgemeinde Sittensen. Sie bekamen die Möglichkeit, vorübergehend an einem Sprachkurs der vhs in Sittensen teilzunehmen, bevor sie im Mai einen Integrationskurs des BNW (Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft) in Zeven beginnen konnten. Im März 2025 hatten Deisy und Gonzalo ihr B1-Zertifikat absolviert, das als gute Voraussetzung für eine Erwerbstätigkeit gilt.

Inzwischen waren beide regelmäßig Gäste im Café Mittendrin der FeG in Sittensen. Sie hatten Kontakt zu Vereinsmitgliedern, die im Café gerne ihre Erfahrungen mit den zahlreichen Geflüchteten aus verschiedenen Ländern austauschen. „Deisy und Gonzalo zeigten viel Ehrgeiz, so schnell wie möglich ein selbständiges und unabhängiges Leben in unserer Gemeinde zu führen. Dabei blieben sie bescheiden, dankbar und realitätsbewusst, was ihnen viele Sympathien einbrachte. Ihr Mut, ihre Heimat und die Familie für einen Neuanfang in Deutschland zu verlassen, wird von vielen bewundert“, so die Verantwortlichen des Vereins EWIS.

Mitglied Siegrid Lange, die über viele Kontakte zu Firmen und Schulen in Sittensen und Umgebung verfügt, hat Deisy und Gonzalo engagiert unterstützt, um möglichst schnell eine Arbeit zu finden. Es gab mehrere Vorstellungsgespräche bei einer Zeitarbeitsfirma in Buxtehude, die aber letztendlich nicht erfolgreich waren.

Parallel zum Integrationskurs hatte Gonzalo begonnen, seinen Berufswunsch als Lkw-Fahrer zu realisieren, indem er zunächst seinen Pkw-Führerschein und danach mit Unterstützung der Agentur für Arbeit den Lkw-Führerschein mit der Qualifikation für Ladung und Gefahrgut absolviert hatte. Seit einigen Monaten ist er bei einem Gefahrgut-Transportunternehmen als Fahrer tätig.

Unter anderem gab es bei Deisy den Wunsch, eine Ausbildung als sozialpädagogische Assistentin bei der BBS in Rotenburg zu machen. Siegrid Lange hat ihr geholfen, die erforderlichen Test und Gespräche zu absolvieren. Leider wurde die Aufnahme zur Ausbildung abgelehnt, weil Deisy keine ausreichenden Englischkenntnisse hatte. Der Versuch, eine Arbeit als Hilfskraft in einem Altenheim zu finden, blieb erfolglos.

Deisy ist seit dem 1. Oktober 2025 bei der Firma HELMA Kartoffelgroßhandel in Sittensen tätig und hat inzwischen einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Die Gefahr einer Abschiebung besteht nach wie vor, da Kolumbien immer noch als sicheres Herkunftsland gilt. Trotzdem geben beide die Hoffnung nicht auf, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen. „Wir drücken die Daumen und werden sie weiterhin unterstützen“, betonen die EWIS-Verantwortlichen. (hm)

BUZ: Deisy und Gonzalo hoffen, dauerhaft in Deutschland bleiben zu dürfen. Fotos EWIS

Die EWIS-Paten Siegrid Lange (rechts) und Gaby Graßmann (links) mit dem kolumbianischen Ehepaar.

Deisy und Gonzalo haben bereits gute Kontakte geknüpft.

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