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Wahl des Samtgemeindebürgermeisters: Jörn Keller einziger Bewerber

Smiling man in a dark blazer and white shirt against a black backdrop, looking at the camera.

Sittensen. In Niedersachsen bewerben sich Kandidaten und Parteien am 13. September für die neuen kommunalen Vertretungen. Der Posten des Bürgermeisters der Samtgemeinde Sittensen steht ebenfalls zur Wahl. Amtsinhaber Jörn Keller kandidiert erneut und ist einziger Bewerber.

Im Interview spricht er über seine Motivation, die Herausforderungen der Samtgemeinde und seine Ziele für die kommenden Jahre.

Sie sind der einzige Kandidat für das Amt des Samtgemeindebürgermeisters. Empfinden Sie eine Kandidatur ohne Gegenkandidaten eher als Vorteil oder als besondere Verantwortung?

Ich hätte mir schon gewünscht, dass es einen Gegenkandidaten gibt, denn dann hätten die Menschen eine richtige Auswahl gehabt. Die Wählerinnen und Wähler haben jetzt die Möglichkeit zu entscheiden, ob Jörn Keller es gut gemacht hat oder nicht und sie ihm ihre Stimme geben wollen. Es ist aufgrund dieser Situation daher schon eine Art der besonderen Verantwortung. Genügend Ja-Stimmen brauche ich dennoch.

Warum sollten die Wählerinnen und Wähler trotz fehlender Konkurrenz zur Wahl gehen?

Es geht ja nicht nur um die Wahl des Samtgemeindebürgermeisters, sondern auch um die Räte, die sich neu zusammensetzen. Hier bei uns in den Kommunen findet das Leben statt. Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass die Menschen zur Wahl gehen. Weil direkt das Leben hier mit den Entscheidungen beeinflusst wird.

Warum möchten Sie erneut Samtgemeindebürgermeister werden?

Weil es mir sehr große Freude bereitet, dieses Amt auszuüben. Und es gibt hier vor allem noch sehr viel zu tun. Wir haben zwar Schulen und Kitas gut aufgestellt, aber die Sanierung des Freibades steht an, eine Sache, auf die ich sehr lange hingearbeitet habe, wir wollen mit der Verwaltung umziehen und den Fokus auf die Ausstattung der Feuerwehren legen. Da wird noch eine Menge passieren müssen. Es ist also längst nicht alles fertig. Ich würde gerne weiter mithelfen, dass wir hier weiterhin eine lebenswerte Samtgemeinde bleiben.

Welche drei Themen möchten Sie in den ersten 100 Tagen anpacken?

Die Freibad-Sanierung wird uns in den ersten 100 Tagen sehr stark begleiten, weil wir dann mit dem beauftragten Planer regelmäßige Runden haben werden, wie es konkret aussehen soll. Es wird auch Beschlüsse geben müssen in dieser Hinsicht. Dann werden wir uns mit dem Haushalt 2027 befassen müssen. Ich habe die große Hoffnung, dass wir die Finanzen weiter stabil halten können.

Wie wollen Sie die Finanzen der Samtgemeinde zukunftssicher gestalten?

Es ist uns über die Jahre gelungen, den Samtgemeinde-Haushalt zu sanieren und zu stabilisieren. Wir konnten in diesem Jahr die Umlage der Mitgliedsgemeinden sogar um einen Punkt senken. Daran müssen wir weiter arbeiten und dafür sorgen, dass es stabil bleibt. Gleichzeitig müssen wir aber auch handlungsfähig sein, weil weiterhin enorme Investitionen anstehen. Das müssen wir gemeinsam schaffen.

Welche Bedeutung haben für Sie Klimaschutz, Digitalisierung und wirtschaftliche Entwicklung?

Das sind drei sehr wichtige Punkte. Was die Digitalisierung angeht, müssen wir Tempo aufnehmen in der Verwaltung. Wir müssen gucken, was wie geeignet ist und auch über KI nachdenken. Das Klimaschutzkonzept der Samtgemeinde soll in einigen Monaten fertiggestellt sein. Darin wird es Handlungsempfehlungen geben. Gemeinsam müssen wir schauen, was davon umgesetzt werden kann. Das betrifft auch die Mitgliedsgemeinden. Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, sind wir derzeit gut aufgestellt. Drei Gewerbegebiete befinden sich in der Bauleitplanung. Dann werden wir nochmal zusätzliche Gewerbeflächen haben. Das betrifft auch die Gemeinden, aber die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass wir da sehr gut zusammenarbeiten.

Wie möchten Sie mit Rat, Verwaltung und den Mitgliedsgemeinden zusammenarbeiten?

Weiter so gut wie in den vergangenen Jahren. Das ist auch das, was mich in den sieben Jahren meiner Amtszeit am meisten gefreut hat. Wir waren in der Lage, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Dabei sind wir nicht immer einer Meinung, kommen aber zu Beschlüssen mit großer Mehrheit. Auch die Haushaltssanierung haben wir gemeinschaftlich erreicht. Insofern ist es meine große Hoffnung, dass wir das auch in Zukunft so fortsetzen können. Mit den Bürgermeistern der Gemeinden gab es immer eine exzellente Arbeitsebene. Auch mit dem Samtgemeinderat.

Wie wollen Sie Bürgerinnen und Bürger stärker in Entscheidungen einbeziehen?

Bürgerinnen und Bürger sind bei vielen Sachen eingebunden, gerade wenn es um Bauleitplanungen geht. Betroffene haben immer die Möglichkeit, Eingaben zu machen. Es wird aber sicher in Zukunft so sein, dass bei bestimmten Planungen in bestimmten Gebieten Bürger vorher mehr einbezogen werden sollten. Das betrifft eher doch die Gemeinden, wenn es um den Bebauungsplan geht. Bürgerbeteiligung ist immer eine gute Sache, aber am Ende ist es schon so, dass die Bürger sich auch beteiligen wollen.

Welche Herausforderungen erwarten die Samtgemeinde in den kommenden Jahren?

Alle Projekte, die anstehen, müssen finanziell darstellbar sein. Das wird die größte Herausforderung sein. Es ist ja in aller Munde, dass die Kommunen nicht super ausgestattet sind. Da werden sich Land und Bund noch weiter bewegen müssen. Insofern sind die Finanzen immer eine sehr große Herausforderung. Wir dürfen uns auch nicht zu viel an Projekten zumuten, es muss alles leistbar bleiben. Wir werden uns auch mit dem Thema Bevölkerungsschutz noch schneller und besser befassen müssen.

Gibt es Entscheidungen, bei denen Sie auch unpopuläre Maßnahmen für notwendig halten würden?

Wir müssen hier das Richtige tun, unabhängig davon, ob das nun alle gut finden. Es wird immer solche Entscheidungen geben, die ein Teil der Bevölkerung nicht gut findet. Aber sie werden auch demokratisch getroffen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Ich hole mir schon Rat ein, bevor ich hier Entscheidungen treffe. Ich mache das nicht alleine mit mir aus, sondern hole mir Input von anderen Seiten. Mir ist wichtig, dass Entscheidungen erklärt werden, insofern ist es ein erklärender Führungsstil. Am Ende müssen aber Entscheidungen getroffen werden. Und die sind nicht immer so, dass sie allen gefallen werden. 

Was sollten die Menschen über Sie wissen, das bisher vielleicht noch nicht bekannt ist?

Nach sieben Jahren haben viele Menschen ein Bild von mir, können mich einordnen und einschätzen. Große Geheimnisse gibt es da eher nicht mehr. Ich bin von hier, viele Leute kennen mich einfach.

Was machen Sie, wenn Sie einmal nicht im Rathaus sind?

Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Und auch Sport zu treiben. Bei vier Kindern fordert zu Recht jedes Kind seine Zeit ein. Verheiratet bin ich ja auch, insofern soll’s auch Zeit zusammen mit meiner Frau geben.

Welche Botschaft möchten Sie den Wählerinnen und Wählern mit auf den Weg geben?

Mir ist total wichtig, dass möglichst alle Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben. Es gibt auf Gemeinde-, Samtgemeinde- und Kreisebene eine große Auswahl an Kandidaten und Kandidatinnen. Ich wünsche mir sehr, dass wir eine möglichst hohe Wahlbeteiligung haben, gerade in diesen Zeiten. Die Menschen können damit ihre Meinung ausdrücken, was sie für ihre Kommune und für ihr direktes Lebensumfeld möchten. Die Botschaft ist also: Gehen Sie zur Wahl und suchen Sie sich die Leute aus, die Sie in ihren Räten vertreten sollen. Text Meyer/Foto Yvonne Sperber

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