Sittensen. Die Drei-Feld-Sporthalle an der KGS Ostetalschule Sittensen ist in die Jahre gekommen und weist erhebliche Mängel auf. Die Samtgemeindeverwaltung hat ein Gutachten in Auftrag gegeben, das in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses zur Vorstellung gekommen ist.
Dabei wurde der baukonstruktive Zustand der Gesamtgebäudestruktur, insbesondere was das Dachtragwerk aus Brettschichtholz-Bindern angeht, einer detaillierten Bewertung unterzogen. Die Bestandsaufnahme soll den Sanierungsbedarf der in den 1970er-Jahren errichteten Dreifeldsporthalle klären.
Professor Dr. Ing. Mike Sieder, Leiter der VariCon Bauwerks- und werkstoffübergreifende Beratung und Planung in Peine, hat das Gutachten erstellt und dem Gremium ausführlich erläutert.
Das Fazit am Ende war ernüchternd: „Es macht wenig Sinn, den Bestand zu schützen“, lautete die Antwort des Experten auf die Frage aus dem Gremium, wie er, wäre er Eigentümer, die Instandsetzung des Gebäudes beurteilen würde. „Bis auf die tragende Konstruktion würde ich bis zur unteren Fußboden-Ebene alles plattmachen und erneuern“, gab Sieder zu verstehen. Auch eine energetische Ertüchtigung des Gebäudes sowie die Erneuerung des Hallen-Schwingbodens seien erforderlich.
Aber: Der Gutachter betonte auch, dass keine akute Gefahr in Verzug und der Betrieb gesichert sei, denn derzeit lägen keine Hinweise auf eine grundsätzliche Gefährdung der Standsicherheit vor. Dennoch weisen die durchgeführten Untersuchungen ein systematisches Schadensbild der Sporthalle aus: großflächige Feuchteschäden, mikrobielle Besiedlungen, Verformungen von tragenden Dachbauteilen, Schäden an der Dachabdichtung, Undichtigkeiten an Durchdringungen, Fassaden- und Fensteranschlüssen, konstruktive Mängel an Teilen der Dachkonstruktion.
Entstanden sind nachweisbare Feuchteschäden mit Schimmel- und Pilzbefall sowie Sporenbildung innerhalb der Dachkonstruktion. Die Dauerhaftigkeit und Gebrauchstauglichkeit der Dachkonstruktion ist deutlich beeinträchtigt. „Aus sachverständiger Sicht besteht erheblicher Sanierungsbedarf“, so Sieder.
Rissbildungen im Bereich von drei bereits sanierten Dachbindern werden als kritisch eingestuft. Eine statische Überprüfung zur Sicherstellung der Tragfähigkeit und Dauerhaftigkeit dieser Binder wird empfohlen.
Im Bereich der Dachentwässerung des Flachdaches der Sporthalle sind größere Laubansammlungen vorhanden, die den Wasserabfluss erschweren. Eine übermäßige Durchbiegung der Dachhaut wurde ebenfalls festgestellt. In der Dachabdichtung und bei den Oberlichtern gibt es diverse Fehlstellen. Insgesamt besteht eine Vielzahl an Fehlstellen innerhalb der Dachabdichtung sowie den Fenster- und Fassadenanschlüssen.
Bei den nördlichen Stahlbeton-Fertigteilelementen der Fassade im Gebäudeteil des Besuchereinganges konnten keine relevanten Auffälligkeiten ausgemacht werden.
Der Dachraum über dem Sozialtrakt besteht aus einem nachträglich aufgesetzten Pultdach als Nagelplatten-Binderkonstruktion mit Wellprofil-Platten als Dachhaut. Ob diese aus Asbest-Faserzement bestehen, bedarf einer erneuten Begutachtung. Abgelöste Fasern legen indes den Verdacht nahe. Wegen der fortschreitenden Materialalterung der Dachdeckung und den vermutlichen Asbestfasern wird die Dachhaut als sanierungsbedürftig eingestuft.
Im Eingangsbereich des Sozialtraktes konnten keine baukonstruktiven Auffälligkeiten festgestellt werden. Feuchtigkeitsspuren gibt es im Sanitärbereich, in einigen Räumen herrscht Rissbildung. Im Ergebnis wird den Sozialräumen, Nebenräumen und Technikbereichen der Sporthalle aus bauwerkstragender Sicht ein unauffälliger Zustand bescheinigt. Vorrangig erforderlich sind Instandsetzungsmaßnahmen.
Das Resümee des Ausschussvorsitzenden Dirk Detjen fiel deutlich aus: „Das wird eine ziemliche Nummer. Wie ursprünglich gedacht die Außenwände stehen lassen und ein neues Dach drauf, reicht offensichtlich nicht. Das Gebäude ist relativ abgängig, wir werden uns nun intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen.“ Dem pflichtete Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller bei: „Wir müssen uns zügig damit befassen und Mittel für den Haushalt 2027 einplanen. Die Politik muss dann sagen, was mit der Halle passieren soll.“ Er kündigte auch an, dass die Verwaltung nun Fördermöglichkeiten prüfen werde.
Einig war sich das Gremium, dass man mittelfristig aktiv werden muss. Der Gutachter bestätigte auch, dass im Winter bei starker Schneelast auf dem Dach der Halle diese wie im letzten Jahr für den Betrieb gesperrt werden sollte. (hm)
BUZ: Der Eingangsbereich der Sporthalle mit dem nachträglich aufgesetztem Pultdach. Fotos Meyer
Die nördliche Außenansicht der Turnhalle mit dem Besuchereingang. Relevante Auffälligkeiten wurden dort nicht festgestellt.
