Sittensen/Tiste. In der Gemeinde Tiste besteht Bedarf an gewerblichen Flächen. Lokale Unternehmen möchten sich erweitern, was aber an den bestehenden Standorten nicht mehr möglich ist. Nun soll ein Gewerbegebiet entwickelt werden.
Um den städtebaulich am besten geeigneten Standort für das geplante Vorhaben zu finden, wurden im Vorfeld über zwei Jahre hinweg alternative Möglichkeiten untersucht. Auch der Landkreis Rotenburg (Wümme) war eingebunden. Auf dessen Vorgabe hin soll sich das Planvorhaben an einen bestehenden „Siedlungskörper“ anschließen.
Schlussendlich ist die Wahl aufgrund der vorgegebenen Kriterien auf ein Gebiet südlich der Autobahn A1 und nördlich der Hauptstraße im Südwesten der Gemeinde Tiste gefallen. Im Westen grenzt es an den Siedlungsbereich der Gemeinde Sittensen in der Gemarkung Heidornweg an. Das Plangebiet ist im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Sittensen als landwirtschaftliche Fläche dargestellt und soll mit der 67. Planänderung in eine gewerbliche Baufläche umgewandelt werden.
Der Geltungsbereich ist etwa 23,1 Hektar groß, davon entfallen etwa 21,6 Hektar auf gewerbliche Bauflächen, 1,5 Hektar auf Straßenverkehrsflächen.
Die neu gegründete A1 Gewerbepark Tiste GmbH & Co. KG i.G. hat die Aufstellung eines Bebauungsplans sowie die Änderung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde Sittensen beantragt. Die Pläne werden im Parallelverfahren aufgestellt. Für die Ausführung ist das Planungsbüro Instara aus Bremen zuständig. Der Antragstellende übernimmt alle anfallenden Kosten. Planerin Sonja Döring hat jetzt dem Bauausschuss der Samtgemeinde die eingegangenen Stellungnahmen vorgestellt.
Belastungen für Gemeinde Sittensen befürchtet
Grundsätzlich wird das Vorhaben begrüßt, da die Ausweisung von weiteren Gewerbeflächen in der Samtgemeinde im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit wichtig ist. Aber: Mit der Entwicklung des Gewerbegebiets ist eine Zunahme des Verkehrsaufkommens zu erwarten. Die Belastung betrifft in erster Linie die Gemeinde Sittensen, denn das Plangebiet grenzt an örtliche Wohnbebauung. Zwar versicherten Planerin und der Bürgermeister der Gemeinde Tiste, Stefan Behrens, dass Lkw-Verkehr über den angrenzenden Heidornweg vermieden werden solle, unter den Sittenser Ausschussmitgliedern sind die Sorgen jedoch groß, dass die neuralgischen Verkehrsknotenpunkte in Sittensen eine noch größere Belastung erfahren.
Bürgermeister Diedrich Höyns machte deutlich, dass die Interessen Sittensens gewahrt bleiben müssten. Der Heidornweg sei eine verkehrsberuhigte Straße, an der auch eine Kindertagesstätte läge. Er befürchtet ebenso im Kreuzungsbereich der alten Post, der ohnehin als problematischer Verkehrsknotenpunkt gilt, eine kritische Mehrbelastung. Auch die Oberflächenentwässerung sprach er an, denn die Altanlagen der Gemeinde Sittensen müssten das Oberflächenwasser des Gewerbeparks aufnehmen, was zu einer Überlastung führen könnte. „Die Kosten können nicht allein bei Sittensen bleiben“, bedeutete Höyns. Wohlwissend, dass die verkehrliche Erschließung und die Entwässerungsproblematik Bestandteil der Bebauungsplanung sind, regte er den Abschluss eines städtebaulichen Vertrages zwischen den Gemeinden Tiste und Sittensen an. „Wir müssen Antworten finden, es ist bislang nicht genug besprochen worden“, so sein Appell.
Bei Stefan Behrens regte sich Widerspruch. „Zum Schutz der Wohnbebauung ist in der Bauleitplanung sowohl ein Regenrückhaltebecken als auch noch ein Lärmschutzwall vorgesehen. Außerdem wird im B-Plan festgesetzt, dass keine Logistik- und Speditionsunternehmen vorgesehen sind. Wir wollen das Bestmögliche zum Schutz der Bevölkerung erreichen.“ Auch die Sittenser Ratsvertreter Alfred Flacke, Jürgen Sausmikat und Ingo Hillert äußerten ihre Bedenken hinsichtlich des geplanten Vorhabens. Flacke sieht den Gewerbepark im vorgesehenen Gebiet „nicht gut aufgehoben“, Sausmikat wähnt die Lasten „komplett bei Sittensen“, Hillert befürchtet erhebliche Probleme auf die kritischen Kreuzungen in Sittensen zukommen, zumal auch die Gemeinde Sittensen noch zwei neue Gewerbegebiete plant. Auch Uwe Hellmers sieht zu wenig Schutz für die Wohnbebauung.
Sausmikat hatte beantragt, die Beschlussempfehlung zu verschieben, bis ein städtebaulicher Vertrag geschlossen sei. Er ließ sich aber eines Besseren belehren, weil sich damit die Gemeinderäte befassen müssen und dieser Punkt daher nicht Gegenstand der Flächennutzungsplanung ist. Insofern zog er den Antrag wieder zurück, auch weil der Tister Bürgermeister die Bemühungen der Gemeinde für schützenswerte Maßnahmen nahebringen konnte. „Tiste macht sich Gedanken um die Menschen, die da wohnen“, konstatierte denn auch Sausmikat.
Die beiden Gemeindebürgermeister waren sich einig, dass gemeinsame Gespräche und Abstimmungen folgen sollen.
Mehrheitlich sprachen die Ausschussmitglieder schließlich ihre Empfehlung für den Beschluss zur Abwägung der Stellungnahmen aus der frühzeitigen Beteiligung der Behörden, Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit aus. Die finale Beschlussfassung obliegt dem Samtgemeinderat.
Im Rahmen der Bauleitplanung ist eine Erschließung der Gewerbeflächen in zwei Abschnitten geplant. Konkrete Interessenbekundungen von Unternehmen aus der Gemeinde Tiste sowie der Samtgemeinde Sittensen sollen bereits vorliegen. (hm)