Landkreis Rotenburg. Nach mehr als 42 Jahren im öffentlichen Dienst und 22 Jahren beim Landkreis Rotenburg (Wümme) hat sich Dr. Joachim Wiedner zum 1. September in den Ruhestand verabschiedet. Er hat die Arbeit des Veterinäramts des Landkreises über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt.
Nach seinem Studium und seiner Promotion an der Justus-Liebig-Universität in Gießen sammelte er Erfahrung in verschiedenen Verwaltungen, unter anderem als Amtsleiter beim Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. 2004 führte ihn sein Weg zum Landkreis Rotenburg (Wümme).
Das Veterinäramt begleitet Bürger, Tierhalter, Jäger sowie Betriebe in vielen Fragen. Dazu gehören die Bekämpfung von Tierseuchen, der Tierschutz, die Lebensmittelüberwachung von der Erzeugung bis zur Abgabe an Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Schlachttier- und Fleischhygiene. Weitere Themen sind der Umgang mit gefährlichen Hunden und die Beseitigung tierischer Nebenprodukte.
„Die unterschiedlichen Aufgaben verlangen ein gutes Zusammenspiel aller Arbeitsbereiche“, erläutert Dr. Wiedner. „Als Amtsleiter war ich Ansprechpartner für Mitarbeitende, Politik, Vorgesetzte und Ratsuchende. Ich habe gemeinsam mit meinem tollen Team organisatorische Entscheidungen getroffen und Lösungen für Veränderungen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung und neue Arbeitsformen gesucht.“
Zu den prägenden Erfahrungen seiner Amtszeit zählen Einsätze in schweren Fällen von Tierwohlverstößen, die Bekämpfung von Tierseuchen, wie der Vogelgrippe, und Beanstandungen in Lebensmittelbetrieben. Auch die Schließungen der Schlachthöfe Geti Wilba im Jahr 2016 und Vion Zeven im Jahr 2017 hatten weitreichende Folgen für Beschäftigte, Betriebe und die Landwirtschaft in der Region.
Weniger gut in Erinnerung bleibt auch die Umsetzung der vielen Rechtsvorschriften, die sich über die Jahre verändert und vermehrt haben.
Zu den positiven Erinnerungen zählen die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt im Veterinäramt. „Aus den Kolleginnen und Kollegen ist ein Team geworden, das auch schwierige Situationen gemeinsam bewältigt hat. Dieses kann ich mit einem guten Gefühl an meinen Nachfolger übergeben“, so Dr. Wiedner.
In guter Erinnerung bleiben ihm die Einsätze, bei denen Tiere aus schweren tierschutzwidrigen Haltungen befreit werden konnten. Für viele Tiere wurde damit ein Leben unter angemessenen Bedingungen wieder möglich.
Bei Beanstandungen in Lebensmittelbetrieben wurde von Dr. Wiedner und seinem Team nach tragfähigen Lösungen gesucht. Diese sollten Verbraucherinnen und Verbraucher schützen und zugleich den Betrieben eine Perspektive eröffnen. Im Bereich der Tierseuchenbekämpfung stand im Vordergrund, Tiere möglichst nicht allein wegen eines theoretischen Risikos zu töten. Wenn es fachlich vertretbar war, wurden andere Wege geprüft.
Landrat Marco Prietz bedankte sich für das große Engagement für das Veterinäramt. „Dr. Joachim Wiedner hat das Veterinäramt viele Jahre lang mit großer Erfahrung und einem klaren Blick für die Praxis geleitet. Er hat ein starkes Team aufgebaut und sich immer wieder schwierigen Themen gestellt. Dafür danke ich ihm herzlich und wünsche ihm für den neuen Lebensabschnitt alles Gute.“
Dr. Markus Wendt übernimmt Leitung des Veterinäramts
Dr. Markus Wendt hat am 1. September die Leitung des Veterinäramts des Landkreises Rotenburg (Wümme) übernommen. Der 56-Jährige arbeitet seit 2009 beim Veterinäramt des Landkreises und war bislang stellvertretender Amtsleiter.
Dr. Wendt ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Nach seinem Studium der Veterinärmedizin an der Tierärztlichen Hochschule Hannover und seiner Promotion im Bereich Mikrobiologie arbeitete er im öffentlichen Veterinärwesen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Seit seiner Rückkehr in den Heimatlandkreis Rotenburg (Wümme) bringt er seine Erfahrung als Amtstierarzt und stellvertretender Amtsleiter ein.
Der neue Amtsleiter führt ein Team mit gut 30 Mitarbeitenden. Mit dabei sind Tierärztinnen und Tierärzte, Lebensmittelkontrolleurinnen und Lebensmittelkontrolleure sowie Verwaltungskräfte.
Die Arbeit im Veterinäramt reicht von der Tiergesundheit und dem Tierschutz bis zur Überwachung von Lebensmitteln, Fleisch und tierischen Nebenprodukten. „Diese Vielfalt gelingt nur im Team“, erklärt Dr. Wendt. Recht und Gesetz geben dabei den Rahmen vor. Innerhalb dieses Rahmens sucht das Team nach Spielräumen und entwickelt Lösungen. „Entscheidend ist die Frage, wie etwas möglich gemacht werden kann, und nicht, was dagegen spricht.“
Besonders im Tierschutz treffen unterschiedliche Interessen und persönliche Situationen aufeinander. Der Amtsleiter setzt deshalb auf Gespräche mit den Beteiligten. „Wer miteinander redet, kann Lösungen finden.“ Dabei bleibe das Wohl der Tiere maßgeblich. Wenn keine gemeinsame Lösung erreicht werde, müsse im Zweifel für das Tier entschieden werden, „in dubio pro animale.“ „Entscheidungen werden im Veterinäramt dabei naturwissenschaftlich fundiert und ohne Vorurteile getroffen.“
Landrat Marco Prietz begrüßte Dr. Markus Wendt als neuen Leiter des Veterinäramts und freut sich über die vertrauensvolle Übergabe der Amtsleitungen. „Mit Dr. Markus Wendt übernimmt ein erfahrener Veterinärmediziner die Leitung des Veterinäramts. Er kennt die Aufgaben und Strukturen im Landkreis seit vielen Jahren und ich freue mich, dass das Amt in seine kompetenten Hände übergeben wird.“
BUZ: von links: Landrat Marco Prietz, Dr. Joachim Wiedner und Dr. Markus Wendt mit der zuständigen Dezernentin, Heike von Ostrowski.