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Dorfjugend Kalbe baut schönsten Bördewagen

Sittensen. Die Dorfjugend Kalbe hat heute beim Sittenser Erntedankfest den Sieg in der Kategorie der schönsten Bördewagen mit der Nachbildung des Kalber Wappens errungen. 

Mit Jubelgesängen – „Kalbe holt den Weltpokal“ – und den obligatorischen Sektduschen haben die jungen Leute bei der Siegerehrung am Heimathaus ausgelassen und überglücklich den begehrten Pokalgewinn – wie immer gestiftet vom Wirtschafts-Interessen-Ring (WIR) Sittensen – gefeiert.

Die beiden Zweitplatzierten, die Dorfjugenden Klein Meckelsen und Vierden, freuten sich mit, wenngleich einige ihre Enttäuschung nicht ganz verbergen konnten.  

55 Gefährte bildeten den Festumzug durch den Ort, der unter der Sicherung von Feuerwehr und Polizei bei besten spätsommerlichen Temperaturen durch die Straßen rollte. Schon lange bevor der Umzug begann, füllten sich die Seitenränder zusehends mit vielen Zuschauenden, die gespannt das farbenfrohe Spektakel erwarteten.

Auf den Wagen herrschte hör- und sichtbar gute Laune. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer feierten fröhlich, winkten den Zuschauenden an den Straßenrändern zu und sangen lauthals zu bekannten Mitsingliedern mit, die aus Lautsprechern erschallten. Das eine und andere Kaltgetränk ließen sich die überwiegend jungen Wageninsassen ebenfalls gerne schmecken.  

Musikalisch begleitet wurde der Tross von den Spielmannszügen Schneverdingen, Sittensen und Sauensiek.

Die weiteren Platzierungen der Erntewagen-Prämierung:

  • In der Gruppe der Kinderwagen holte sich Hamersen vor zwei Kalber Wagen den Sieg.
  • Der beste Themenwagen kommt aus Freetz, Platz zwei und drei belegten Klein Meckelsen und Kalbe.
  • Bei den auswärtigen Wagen hat die Landjugend Wense vor Anderlingen und Heeslingen gewonnen.

Insgesamt waren vier Schmuckwagen aus der Börde Sittensen dabei. Landjugendvorsitzender Nico Burfeind freute sich, dass zur 75. Feier des Sittenser Erntedankfestes die Anzahl der Erntewagen gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Sein ausdrückliches Lob galt dem Einsatz der Dorfjugenden: „Tradition, Verbundenheit, Zusammenhalt und Gemeinschaft gilt es zu erhalten und zu bewahren. Dass ist das, was uns auszeichnet.“ Er plädierte ebenso für eine bessere Debattenkultur und einen respektvollen Umgang miteinander.

Nico Bufeind gibt Landjugend-Vorsitz ab

Für Nico Burfeind war es das letzte Erntedankfest unter seiner Leitung. Sichtlich bewegt verkündete er seinen Rückzug vom Vorstandsposten. Bei der nächsten Wahl wird er nicht mehr antreten: „Enge Freundschaften sind hier entstanden. Wir haben gelacht, gestritten, geweint. Doch jetzt ist es nach elf Jahren Vorstandsarbeit und zehnjährigem Vorsitz Zeit, das Zepter weiterzugeben und einen Generationswechsel einzuläuten.“ Er ließ nochmals seine Amtszeit Revue passieren und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Landjugend an Mitgliederzahlen gewachsen ist und „wunderschöne Veranstaltungen“ sich etabliert haben. „Ich werde euch weiterhin mit einer starken Stimme unterstützen, so dass die Landjugend geschlossen und gemeinschaftlich weiter ihren Weg geht.“  

Mit vielen Dankesworten an sein Vorstandsgremium und alle Unterstützenden schloss er seine persönlichen Worte. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und zollte ihm großen Applaus, während die Dorfjugenden und die Vorstandskollegen ihn mit lauten Nico-Nico-Sprechchören würdigten und verabschiedeten. Ein emotionaler Moment.

Talkrunde

Dass die Erntedanktradition nicht nur in Sittensen, sondern auch in ganz Niedersachsen gewahrt und gefeiert wird, kam auch in einer Talkrunde mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Marco Mohrmann, Yascha Koik vom Landfrauenverein Sittensen und Jörn Gerken, Bürgermeister der Gemeinde Kalbe, lobend zum Ausdruck. Moderiert von Nico Burfeind war sich die Runde einig, dass Werte wie Ehrenamt, Engagement, Verbundenheit und Tradition wesentliche Attribute für eine funktionierende Gemeinschaft sind.

Nicht unerwähnt blieb der „wichtige und richtige“ Dank an die Landwirte für ihren Einsatz für eine gute Ernte. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Kühlschrank und die Teller gefüllt sind“, betonte Mohrmann. Einmal im Jahr zu danken sei viel zu wenig. Das Ehrenamt sei ein „unfassbar hohes Gut“, dass gepflegt werden müsse. Yascha Koik, die seit acht Jahren in Klein Meckelsen lebt und gebürtig aus Krefeld stammt, hob ebenfalls die Bedeutung eines regen Vereinslebens hervor, dass das Leben auf den Dörfern präge.

Aber auch kritische Worte waren zu hören. Jörn Gerken prangerte die zunehmende Belastung durch Auflagen und Bürokratie an: „Ich habe Landwirt gelernt, weil ich Landwirt sein will und mit Tier und Pflanze arbeiten und nicht den ganzen Tag im Büro sitzen will. Wir machen gute Produkte und brauchen nicht noch mehr Verordnungen.“ Er plädierte ausdrücklich für eine Entbürokratisierung und vereinfachte Rahmenbedingungen. „Mohrmann stimmte zu: „Wir müssen nichts Neues mehr regeln, sondern streichen, was wegkann.“ Mit dem Appell für ehrenamtliches Engagement und ein aktives Dorfleben, das auch Freiheit braucht, beschloss die Talkrunde ihren Austausch.

Musikalisch umrahmt wurde der Festnachmittag vom Spielmannszug Schneverdingen, dessen Darbietungen mit viel Beifall bedacht wurden. (hm)

Fotos & Videos Meyer

 

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