Sittensen. Chancengleichheit, Demokratiebildung, starke, regionale Vernetzung: Diese Ziele stehen hinter einem neuen Projekt des Zweckverbandes der Volkshochschule Zeven (vhs), dem die Samtgemeinden Zeven, Tarmstedt und Sittensen angehören. Es trägt den bezeichnenden Namen „Miteinander inklusiv! – regional – demokratisch – vielfältig.“
Seit März 2025 setzt die vhs Zeven gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern das Projekt um. Es wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfond Plus (ESF+) durch das Programm „Inklusion durch Bildung und Teilhabe“ des Niedersächsischen Kulturministeriums gefördert und läuft bis Februar 2027.
Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und Familien in den Samtgemeinden Zeven, Sittensen und Tarmstedt in ihrer Entwicklung zu stärken und chancengerechte Bildung für alle zu fördern. Schwerpunktmäßig geht es um Inklusion, Elternarbeit, demokratische Beteiligung und vorurteilsfreie Kommunikation.
Das Projekt resultiert aus dem Vorgängerprojekt „Gemeinsam inklusiv! – Inklusiv – zukunftsorientiert – regional“, das von März 2023 bis Februar 2025 zur Stärkung der Bildungslandschaft in den Samtgemeinden Zeven, Tarmstedt und Sittensen durchgeführt wurde. Dabei ging es um den Aufbau neuer Bildungsnetzwerke, die Verbesserung der Elternarbeit und die Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte – für mehr Chancengleichheit und Teilhabe.
Familienunterstützende Angebote
In allen drei Samtgemeinden wurden erstmals kommunale Bildungsnetzwerke aufgebaut und regelmäßig durchgeführt. In Sittensen fanden fünf Treffen statt – mit hoher Beteiligung von Kitas, Schulen, Vereinen, Ehrenamtlichen und Verwaltung. „Früh hat sich hier eine zentrale Herausforderung dargestellt. Es fehlen wohnortnahe, familienunterstützende Angebote. Viele finden sich in Zeven, Rotenburg oder Bremervörde, sind aber aufgrund mangelnder Mobilität schwer erreichbar“, erklärt Andrea Stephan, Leiterin der vhs Zeven.
Dass der Beratungsbedarf zur Unterstützung von Familien in der Samtgemeinde Sittensen groß ist, wissen die Leiterinnen der Sittenser Kindertagesstätte „Weltentdecker“ und der Kita „Bunte Wiese“ in Klein Meckelsen, Cyra Albers und Dagmara Stahmer, nur allzu gut. Denn: Viele Fragen werden an sie herangetragen. „Unsere Kapazitäten sind aber begrenzt, zum anderen ist auch eine fachlich-fundierte Beantwortung geboten. In jeder der Einrichtungen in der Samtgemeinde Sittensen wird zum Thema Inklusion gearbeitet. Durch die Ausweisung neuer Baugebiete in den Gemeinden gibt es vermehrt Zuzug von jungen Familien. Damit wächst auch der Unterstützungsbedarf. Sei es bei Fragen zu Erziehung, Gesundheit, Hebammen oder zur Hilfestellung beim Ausfüllen von Anträgen“, berichtet Dagmara Stahmer.
Anlaufpunkt für Familien und junge Eltern
So ist innerhalb des Netzwerkes Sittensen die Idee zur Einrichtung eines sogenannten Familienzentrums entstanden. Cyra Albers und Dagmara Stahmer haben vor Ort federführend die Planung des Vorhabens umgesetzt. „Wir möchten nicht nur theoretisch bleiben, sondern in der Praxis etwas machen. Der Bedarf ist erkannt, nun soll ein Anlaufpunkt für Familien und junge Eltern geschaffen werden“, ergänzt Janaki David, Pädagogin, Erziehungs- und Bildungswissenschaftlerin und die zuständige Ansprechpartnerin der vhs für die Samtgemeinde Sittensen.
Sie ist es auch, die drei Stunden wöchentlich, mittwochs von 9 bis 12 Uhr, Beratungen vor Ort anbieten wird. Inzwischen ist nämlich ein Standort für das Familienzentrum gefunden worden: Die Samtgemeinde Sittensen stellt dafür ihre Räumlichkeiten an der Straße Am Markt 16 zur Verfügung, die auch vom Seniorenbeirat für das Seniorenbüro, von den Schiedspersonen der Samtgemeinde und vom Präventionsrat genutzt werden. „Ein toller Ort, der auch den Mehrgenerationengedanken aufnimmt“, freut sich Cyra Albers.
Start des Familienzentrums Frühjahr 2026 geplant
Außerdem ist geplant, dass eine Mitarbeiterin der Lebenshilfe Bremervörde-Zeven einmal monatlich eine niedrigschwellige Beratung zum Thema Frühförderung und Integration in dem neuen Familienzentrum, das im Frühjahr nächsten Jahres starten soll und zu dem es auch eine offizielle Eröffnung geben wird, anbietet. Bislang findet dieses Angebot in der Sittenser Kita „Weltentdecker“ statt. Damit sollen mehr Interessierte erreicht werden.
Fortbildungen und Netzwerktreffen
Fachkräfte aus Kitas, Schulen und der Jugendhilfe in Sittensen sollen von neuen Fortbildungsformaten profitieren können. Des Weiteren werden eigene, fachlich moderierte Netzwerktreffen fortgeführt. Die Arbeitsgruppe vernetzt Fachkräfte, Ehrenamtliche und Verwaltung und möchte schnelle Lösungen für regionale Fragen ermöglichen.
Familienfreundliche Kommune
Das Projekt versteht sich schlussendlich als Impulsgeber für eine nachhaltige, familienfreundliche Kommune. Dieser Aspekt hat auch für Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller Bedeutung: „Es hat sich gezeigt, dass der Bedarf nach einem solchen Angebot besteht. Das Vorhaben ist ein Gewinn für die weitere Entwicklung der Samtgemeinde Sittensen. Darum haben wir im Haushalt 2026 zur Unterstützung ein Budget von 5000 Euro aufgenommen. Der Fachausschuss hat den Ansatz bereits genehmigt, nachdem die beiden Kita-Leiterinnen das Vorhaben dort vorgestellt haben. Auch unsere Räumlichkeiten stellen wir gerne bereit.“
Wünsche und Anregungen willkommen
Sowohl den vhs-Projektbeiligten als auch den Kita-Leitungen ist es wichtig zu betonen, dass zunächst kein Mutter-Kind-Treff eingerichtet wird. Wünsche und Anregungen nehmen sowohl Dagmara Stahmer und Cyra Albers in den Einrichtungen und Janaki David per Mail: JD@vhs-zeven.de sehr gerne entgegen. Auch Unterstützung durch geschulte Ehrenamtliche ist willkommen. https://www.vhs-zeven.de (hm)
BUZ: Andrea Stephan und Janaki David von der vhs freuen sich mit den Kita-Leiterinnen Dagmara Stahmer und Cyra Albers (von links) über den geplanten Projektstart im Büro des Seniorenbeirates an der Straße Am Markt im Frühjahr kommenden Jahres. Foto Meyer