Sittensen. Das Ehrenmal im Dionysius-Park in Sittensen ist ein Ort des Gedenkens und der Erinnerung. Damit die Anlage gepflegt bleibt und einen würdigen Eindruck vermittelt, ist regelmäßiger Einsatz erforderlich. Das Team des Bauhofes der Gemeinde Sittensen tut, was es kann, doch das Einsatzgebiet ist groß, so dass die personellen und zeitlichen Ressourcen knapp sind.
Umso erfreulicher ist es, wenn sich Menschen freiwillig engagieren und Verantwortung übernehmen möchten. Einer davon ist Matthias Brüns aus Sittensen. Der knapp 26-Jährige unterstützt die Pflege des Ehrenmals mit Tatkraft und ehrenamtlichem Einsatz.
Was ihn dazu bewogen hat? „Ich besuche jeden Sontag den Gottesdienst in der St. Dionysius-Kirche. Danach gehe ich eine Runde durch den Dionysius-Park und am Mühlenteich spazieren. Dabei führt mich mein Weg auch am Ehrenmal vorbei. Da ich sehr geschichtsinteressiert bin, halte ich mich gerne dort auf. Eine solche Anlage, die den Einsatz von Soldaten ehrt, verdient Respekt und Würdigung und sollte entsprechend sauber und gepflegt sein“, gibt er zu verstehen. Diesbezüglich hat er weiteren Bedarf gesehen und sich kurzerhand bei der Verwaltung im Rathaus gemeldet, die ihn an Bauhofleiter Tobias Halecker verwiesen hat.
Beide haben sich daraufhin zu einem Ortstermin im Dionysius-Park getroffen. Der Bauhofleiter ist denn auch voll des Lobes über die wertvolle Hilfe: „Zusätzliche, helfende Hände sind eine spürbare Entlastung. Das freiwillige Engagement entlastet die Arbeit meiner Mitarbeitenden und trägt dazu bei, wichtige Aufgaben vor Ort zu bewältigen. Und wenn jemand mit so viel Herzblut dabei ist wie Matthias, verdient das ein noch größeres Lob“, betont Halecker.
In der Tat beweist der 26-Jährige enormen Einsatzwillen. Fünf Tage hat er damit zugebracht, die Anlage des Ehrenmals wieder auf Vordermann zu bringen. „Vor allem der Moosbefall war ausgeprägt“, erinnert er sich. Auf Knien sitzend hat er mit Bürste und Spachtel akribisch das Moos entfernt. Und auch gärtnerisch ist er tätig geworden. Hat gepflanzt, Laub geharkt und sogar Grablichter aufgestellt – aus eigener Tasche bezahlt.
„Ich habe einen grünen Daumen und bei meinen Eltern in Zeven eine eigene Gartenfläche mit Teich. Da kann ich meine gärtnerische Leidenschaft ausleben und nun auch bei der Pflege des Ehrenmals,“ verrät Matthias Brüns, der beruflich als Maschinenführer im Schichtdienst arbeitet. Seit knapp anderthalb Jahren wohnt er in Sittensen und fühlt sich im Bördeort sehr wohl. Seine Eltern, Tanja und Thomas Brüns, sind denn auch zu Recht sehr stolz auf das ehrenamtliche Engagement ihres Sohnes.
Die Inschrift am Jahrhundertstein am Ehrenmal möchte Brüns ebenfalls auffrischen. Das Material dazu stellt ihm die Gemeinde zur Verfügung. Wetterunwägbarkeiten halten ihn bei seinem wöchentlichen Arbeitseinsatz nicht auf: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“, lässt er augenzwinkernd wissen.
Sein Beispiel zeigt, dass schon das Engagement eines Einzelnen einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft leisten kann und auch junge Menschen bereit sind, sich für ihre Gemeinde einzubringen.
Was ihn allerdings sehr geärgert hat: Als er die Zuwegung zum Ehrenmal gerade frisch geharkt und vom Unkraut befreit hatte, fuhren Teenager mit ihrem E-Scooter achtlos darüber. Und es wurde eine Grablampe entwendet. „Es mangelt wirklich an Wertschätzung und Respekt. Das macht mich traurig.“
Das Leben des 26-Jährigen ist noch von einer weiteren Besonderheit geprägt: Ihn faszinieren die 1920er- und 1930er-Jahre. Diese für ihn beeindruckende Epoche lässt er durch seine Kleidung und die Gestaltung seiner Wohnung wieder aufleben. Sein Hobby ist nämlich für ihn weit mehr als ein gelegentliches Interesse an alten Dingen. (hm) Fotos Meyer/Brüns