Rotenburg. Ein außergewöhnlicher Ort, ein eindrucksvolles Programm und eine intensive, musikalische Atmosphäre haben das Konzert von Musica vocale Scheeßel in Kooperation mit dem Barockorchester L’Arco Hannover in der Friedhofskapelle auf dem Rotenburger Waldfriedhof geprägt. Unter der Leitung von Andreas Winterhalter erlebte das Publikum ein stilistisch geschlossenes, tief bewegendes Programm, das vom Chorsatz des 16. Jahrhunderts bis zum spätbarocken Händel führte – und bereits im Vorfeld ausverkauft war.
Den Auftakt bildete die Motette „If ye love me“ von Thomas Tallis, mit der sich der Chor rund um das Publikum aufstellte und die Zuhörenden in den Kreis der Singenden nahm. Diese besondere Aufstellung verlieh dem schlichten Satz eine unmittelbare Nähe und eröffnete den Abend in einer Atmosphäre berührender Eindringlichkeit.
Anschließend übernahm das Barockorchester L’Arco die musikalische Führung. Unter dem souveränen Konzertmeister Christoph Heidemann präsentierte das Ensemble Händels Concerto grosso in B-Dur op. 3 Nr. 2 mit stilistischer Präzision, lebendiger Artikulation und sicherer Sachkenntnis der historischen Aufführungspraxis. Auch Vivaldis Concerto e-moll RV 134 erklang mit Ausdruck und innerer Spannung – von der kraftvollen Fuge über das nachdenklich schwebende Andante bis zum pointiert gespielten Allegro.
Mit dem Hauptwerk des Abends, Georg Friedrich Händels Funeral Anthem for Queen Caroline HWV 264, erreichte das Konzert seinen ergreifenden Höhepunkt. Über fast 45 Minuten entfalteten Chor und Orchester ein bewegendes Wechselspiel von Monumentalität und Zartheit. Der Chor Musica vocale überzeugte durch saubere Intonation, klar geführte Linien und einen runden, ausbalancierten Gesamtklang, während das Orchester den Chor mit großer Sensibilität und klanglicher Transparenz begleitete.
Heribert Eiden lobte besonders die Geschlossenheit des Ensembles: „Das erste Auswärtsspiel von Musica vocale aus Scheeßel in Rotenburg war ein großer Erfolg. Ein harmonisch ausbalanciertes Team von Sängerinnen, Sängern und den Instrumentalisten des Barockorchesters L’Arco ließ die bewegende Trauermusik von Händel eindrucksvoll erklingen.“ Auch die dynamische Gestaltung fand Anerkennung: „Durchweg gelangen die sehr leisen Partien, die Crescendi und die akkuraten Pausen. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Aufführung von Musica vocale im kommenden Jahr.“
Clemens Mahnken zeigte sich beeindruckt von der musikalischen Geschlossenheit: „Diesmal stand der Chor im Mittelpunkt – und er überzeugte in jeder Hinsicht. Das Publikum reagierte mit großer Begeisterung und spürbarer Anerkennung.“ Gudrun Grimm hob die Werkauswahl hervor: „Dieses Funeral Anthem ist ein ganz besonderes Werk – eine großartige Wahl. Und dass der Chor so stark im Zentrum stand, fand ich wunderbar. Ein wirklich beeindruckendes Konzert.“
Die musikalische Leitung von Andreas Winterhalter war souverän, klar und einfühlsam zugleich. Mit präziser Zeichengebung, feinem Gespür für Balance und stilsicherer Klangdramaturgie führte er Chor und Orchester zu einer eindrucksvollen Einheit. Die Friedhofskapelle erwies sich dabei als nahezu idealer Ort: „Der Raum hat durch seine Farbgebung und seine besondere Ausstrahlung wunderbar gewirkt. Es war eine große Bereicherung und eine Freude, hier konzertieren zu dürfen“, so Winterhalter nach dem Konzert.
Am Ende blieb das Publikum lange still sitzen – als wolle es dem Klang noch nachlauschen – und dankte den Mitwirkenden schließlich mit lang anhaltendem, herzlichem Applaus. Ein Abend von stiller Größe, musikalischer Geschlossenheit und spürbarer innerer Tiefe, der noch lange nachklang. Foto: Ulla Heyne