Sittensen. Der Rat der Samtgemeinde Sittensen hat mit breiter Mehrheit den Beschluss für die Gesamtsanierung des Sittenser Freibades gefasst. Damit ist eine politische Grundsatzentscheidung getroffen und die Wichtigkeit des Projekts betont worden. Das Vorhaben kann nun offiziell auf den Weg gebracht werden.
Lediglich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mochte sich dieser Grundsatzentscheidung nicht anschließen und stimmte dagegen, nachdem zuvor ein Änderungsantrag der Fraktion keine Mehrheit gefunden hatte. Inhaltlich ging es um eine textliche Erweiterung des Beschlussvorschlages der Verwaltung. Die Grünen-Fraktion hatte dafür plädiert, die 2023 beschlossene Vorzugsvariante aus der Sanierungsstudie – vorgesehen ist eine Auskleidung der Beckenlandschaft mit Folie – weiterzuentwickeln.
Laut Daniel Mansholt sollen „Mehrwerte“ geschaffen werden, insbesondere im Hinblick auf die Themen Wärmeplanung und Klimaschutz. Er verwies auf das Wärmeplanungsgesetz, das Kommunen verpflichtet, bis 2028 eine Wärmeplanung vorzulegen. Insofern sei eine Verzahnung der Themen wichtig. Im Kern geht es den Grünen darum, die Parkplatzfläche beim Freibad mit einer Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von mindestens 200 KilowattPeak (kWp) zu überdachen und Energie selbst zu erzeugen. Der Gasanschluss soll entfallen. Ziel soll eine Wassertemperaturhöhung auf 26 Grad und eine damit verbundene Saisonverlängerung um zwei Wochen sein. Die Wärmepumpentechnik muss entsprechend angepasst werden. Mansholt gab zu verstehen, dass die Klimaziele – Niedersachsen will bis 2040 klimaneutral sein – erreicht werden müssten. Die entsprechenden Parameter seien einem Planer an die Hand zu geben. Er sprach sich auch für die Einbindung eines externen Projektierers für die PV-Anlage aus. Die Angebote könnten in einer Bauausschusssitzung im ersten Quartal 2026 vorgestellt werden.
Grundsatzbeschluss
Inhaltlich fanden die Antragspunkte durchaus Zustimmung, allerdings geht damit einher eine zeitliche Verzögerung des Vorhabenbeginns. Mehrheitlich geht damit die Ratsmehrheit nicht konform. „Wir wollen hier heute einen Grundsatzbeschluss fassen, dass es losgehen kann. Sobald nach der Ausschreibung ein Planer gefunden ist, fließen die Details aus unseren Vorgaben mit ein. Das haben wir immer so vom Ablauf her gemacht. Der Planer wird natürlich alle gesetzlichen Vorgaben berücksichtigen“, machte Dirk Detjen, Vorsitzender des Samtgemeinde-Bauausschusses, deutlich.
Auch Samtgemeindebürgermeister Jörn Keller hatte in seinen Ausführungen hervorgehoben, dass im Rahmen der Planung alle Parameter festgelegt werden, was ebenso für die Energie- und Wärmeversorgung gelte. Der Planer werde verschiedene Varianten aufzeigen, worüber der Rat zu beschließen habe. Keller sprach auch die Planungsgruppe Freibad an, die reaktiviert werden soll und sich ebenfalls mit Input einbringen wird. Ihr gehören jeweils ein Mitglied und eine Vertretung aus jeder Fraktion, vom Förderverein, von der DLRG sowie die Badleitung und der Bauhofleiter an. Die Gruppe soll auch Vorschläge zur Attraktivitätssteigerung des Freibades entwickeln.
Detailberatungen im Planverfahren
Diedrich Höyns befindet die Antragspunkte der Grünen für „aller Ehren wert“, gab aber auch zu bedenken, was eine Überdachung der Parkplatzfläche mit PV-Modulen für die Anwohnenden bedeutet. Im Genehmigungsverfahren würden sich ohnehin noch die Immissionsbelastungen für die Anlieger Am Waldbad herausstellen. „Ich sehe das Bemühen, aber der Antrag kommt zu früh und ist nicht zu Ende gedacht. Planung und Sachverstand werden auf die Gremien treffen, beraten und mit einfließen.“
Inhaltlich seien die Punkte nachvollziehbar, erklärte Bernd Petersen, der Antragszeitpunkt hingegen sei unglücklich. Er bat darum, die Punkte mit ins Protokoll aufzunehmen und in die Planungsgruppe zu geben.
Während Daniel Mansholt den Antrag zum jetzigen Zeitpunkt als „völlig unschädlich“ erachtet, machte Dirk Detjen klar, dass es darum gehe, das Bad „auf Sicherheit zu bringen, damit die Technik nicht versagt und der Badebetrieb sichergestellt ist.“
„Wir sind doch alle auf einem Weg. Das Freibad soll saniert werden. Man muss auch Vertrauen haben, dass die Punkte aus dem Antrag nicht wegkommen“, so Torsten Rathje einlenkend. Er beantragte die Abstimmung. Mit den Gegenstimmen der Grünen-Fraktion votierte das Gremium mit großer Mehrheit für die Gesamtsanierung. „Ich freue mich, dass es weitergehen kann. Das ist ein Projekt für die Zukunft. Andere Gemeinden schließen Freibäder, wir kriegen eine Gesamtsanierung hin. So können unsere Kinder hier weiter schwimmen lernen“, fasste Samtgemeinderatsvorsitzender Harald Schmitchen das Ergebnis zusammen. Die zahlreichen Zuhörenden quittierten die Beschlussfassung mit Applaus.
Die Finanzierung der veranschlagten 6.4 Millionen Euro Kosten, darin enthalten ist eine angenommene Kostensteigerung von 15 Prozent, fußt auf Mitteln aus Förderprogrammen und dem Pakt für Kommunalinvestitionen. Letztere belaufen sich auf 441.744,61 Euro. Die Mitglieder des Samtgemeinderates votierten einhellig dafür, dass diese Investitionsmittel vollständig bei der Samtgemeinde verbleiben und nicht, so wie es möglich wäre, auf die Mitgliedsgemeinden verteilt werden. „Das ist ein starkes Votum der Gemeinden, dass wir das Geld für die Sanierung des Freibades bereitstellen“, betonte Hermann Stemmann.
Zwei Millionen Euro sind aus dem Förderprogramm „Lebendige Zentren“ für die Gemeinde Sittensen zu erwarten. Für die Inanspruchnahme durch die Samtgemeinde Sittensen bedarf es noch eines positiven Beschlusses des Gemeinderates. Der Bürgermeister signalisierte bereits Zustimmung. Eine Förderzusage des Landkreises Rotenburg (Wümme) über 350.000 Euro liegt bereits vor. Noch nicht bestätigt ist eine Förderung – maximal 500.000 Euro – über das ZILE-Programm (Zuwendungen zur integrierten ländlichen Entwicklung). (hm) Foto Meyer