Sittensen. „Gesund altern – Neue Erkenntnisse zu gesunder Langlebigkeit und Demenz“: Zu diesem Thema hatte der Seniorenbeirat der Samtgemeinde Sittensen ins Heimathaus geladen. Mit Erfolg. Denn: Die Interessierten strömten nur so ins Heimathaus. „Das Kommen hat sich wahrlich gelohnt, denn Referent Steven Wezel hatte einen sehr informativen Vortrag mit überraschenden Aspekten zusammengestellt“, bilanziert Traute Flacke vom Seniorenbeirat. Wezel forscht an der Uni Basel zur Früherkennung demenzieller Erkrankungen und lebt mit seiner Familie in Sittensen.
Der Abend begann mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Seniorenbeirates, Horst Tiedemann. Er verwies darauf, dass die Wissenschaft immer deutlicher zeige, dass man dem Altern nicht hilflos ausgeliefert sei: „Gesunde Langlebigkeit bedeutet, dass wir heute so viele Werkzeuge wie nie zuvor in der Hand haben, um bis ins hohe Alter geistig und körperlich fit zu bleiben.“ Dazu gehöre aber auch das Thema Demenz. Dem Seniorenbeirat sei es deshalb ein Herzensanliegen, dieses Thema aus der Tabuzone zu holen. Die Forschung mache Mut: „Es gibt faszinierende, neue Erkenntnisse darüber, wie wir durch unseren Lebensstil das Gehirn schützen können. Und wie ein gutes, würdevolles Leben auch mit einer Demenzerkrankung gelingen kann“, so Tiedemann.
Steven Wezel ließ die Anwesenden zunächst schätzen, wie lang die gesunde Lebenserwartung in Deutschland ist. Will heißen: Das Alter, in dem man noch ohne gesundheitliche Einschränkungen seine Alltagsaktivitäten ausüben kann – im Verlgeich zur durchschnittlichen Lebenserwartung von 81 Jahren. Das Ergebnis überraschte: nur durchschnittlich 57 Jahre.
„Ziel ist es, die Zeit, in der wir gesund leben, zu verlängern. Dies ist für die Gesellschaft wichtig, da der Anteil älterer Menschen weiter steigt“, gab der Referent zu verstehen. Er machte deutlich, dass das biologische Alter (der tatsächliche Zustand des Körpers) erheblich vom chronologischen Alter (steht im Ausweis) abweichen könne: „Mit 65 haben manche ein biologisches Alter von 45, andere eins von 90 Jahren.“ Diese Spannweite überraschte viele der Anwesenden.
Eine gute Nachricht sei, dass bezüglich der Langlebigkeit zwar 25 bis 55 Prozent genetisch bedingt seien, aber eben auch 45 bis 75 Prozent beeinflusst werden könnten. Laut Wezel gibt es sieben allgemeine Stellschrauben für gesundes Altern: Schlaf, Bewegung, Körpergewicht, Achtsamkeit, Ernährung, soziale Eingebundenheit, nicht rauchen.
Was ausreichenden Schlaf angeht, reichten im Alter häufig 6,5 bis sieben Stunden aus, auch wenn es individuelle Unterschiede gebe. Gesunde Langlebigkeit und Demenz hängen nach seinen Worten durchaus zusammen, da zum Beispiel fehlende, soziale Eingebundenheit einsam mache und gleichzeitig einer der „Treiber“ bei der Entstehung von Demenzen sei. Depression fördere ebenfalls Demenz.
Wezel wies darauf hin, dass laut aktuellen wissenschaftlichen Befunden durch Demenzprävention im Idealfall 45 Prozent der bisher auftretenden Demenzen verhinderbar wären. Er präsentierte aktuelle Studien zur Impfung gegen Gürtelrose im Kontext der Demenz: Forschende konnnten zeigen, dass diese das Fortschreiten der Demenz verringerte.
Ebenso helfen nach seinen Ausführungen Bewegung und Tanz. Es gibt demnach Übungen, bei denen unterschiedliche Aufgaben zu Musik gemacht werden müssen. Gerade diese Verbindung aus Bewegung und Aufgaben für den Kopf habe in Studien positive Auswirkungen gezeigt.
Am Ende gingen die Zuhörenden mit einer Vielzahl von Informationen und Anregungen nach Hause. Sie nahmen die Erkenntnis mit, dass jede kleine Änderung bei den sieben Stellschrauben zum Positiven führt, um möglichst lange ein gutes Leben führen zu können. Fotos Seniorenbeirat
