Landkreis Rotenburg. Ob Familienforschung, Ortsgeschichte oder wissenschaftliche Recherche: Kommunale Archive machen Vergangenheit zugänglich, nachprüfbar und nutzbar. So auch das Kreis- und Kommunalarchiv des Landkreises Rotenburg (Wümme), das zukünftig nicht mehr nur als Archiv des Landkreises, sondern auch als zentrales Archiv für zehn kreisangehörige Kommunen tätig ist. An den Archivstandorten in Bremervörde und Rotenburg (Wümme) werden so ideale Bedingungen für die Erforschung der Region geschaffen.
Seit Mai 2025 kooperiert der Landkreis Rotenburg (Wümme) im Archivbereich mit zehn Kommunen. Im Einzelnen sind dies die Samtgemeinden Bothel, Fintel, Geestequelle, Selsingen, Sittensen, Sottrum und Tarmstedt, die Stadt Bremervörde sowie die Gemeinden Gnarrenburg und Scheeßel. Die Stadt Rotenburg (Wümme) und die Samtgemeinde Zeven verfügen bereits über hauptamtlich geführte Archive, sodass diese der Kooperation nicht beigetreten sind.
„Unser Kreis- und Kommunalarchiv sichert die langfristige Verfügbarkeit amtlicher und historischer Dokumente, schafft Transparenz über kommunale Entscheidungen und stärkt das Bewusstsein für die regionale Geschichte“, erläutert Landrat Marco Prietz.
Kreisarchivar Sönke Kosicki ergänzt: „Durch eine zentrale Archivierung werden Verwaltungen, Forschung und die Öffentlichkeit schneller fündig. Gemeinsam können wir die Herausforderungen an eine moderne Archivierung meistern und Zeit, Kosten und Ressourcen zusammen nutzen.“
Klare Regelungen für die Archivierung
Zwar lagen auch schon vor der Zusammenarbeit, zum Teil seit Jahrzehnten, gemeindliche Bestände im Kreisarchiv vor, allerdings meist ohne klare Regelung zur Verwahrung und Bereitstellung des Archivguts durch den Landkreis. So wird bereits von der Stadt Bremervörde, von den Samtgemeinden Selsingen und Tarmstedt, von der Gemeinde Gnarrenburg sowie von zahlreichen ehemals eigenständigen kleinen Gemeinden, vor allem aus dem südlichen Kreisgebiet, Archivgut in den Magazinen in Bremervörde und Rotenburg (Wümme) verwahrt.
Digitalisierung – Vernetzung und Zusammenarbeit
Zudem wirft die zunehmende Digitalisierung der Kreis- und Gemeindeverwaltungen zahlreiche komplexe Fragen zur analogen und digitalen Schriftgutverwaltung sowie zur Archivierung auf. Dies macht eine engere Zusammenarbeit und stärkere Vernetzung zwischen Archiven und Verwaltungen erforderlich. Archive übernehmen dabei längst nicht mehr nur traditionelle Aufgaben wie die Aufbewahrung und Verwaltung von Archivgut in Papierform, sondern erfüllen zunehmend auch eine wichtige Beratungsfunktion bei der Erstellung, Organisation und Sicherung digitaler Daten. Ein Teil dieser elektronischen Unterlagen wird künftig als Archivgut im Kreis- und Kommunalarchiv aufbewahrt. Zu diesem Zweck wird ein entsprechendes Digitales Archiv aufgebaut.
Rechtliche Vereinbarung
Vor diesem Hintergrund haben sich Vertreter des Landkreises und der Kommunen mit den Möglichkeiten einer interkommunalen Zusammenarbeit auf dem Gebiet auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist in einer Ende 2024 geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vereinbarung nachzulesen. Darin beauftragen die Kommunen das künftige Kreis- und Kommunalarchiv mit der Aufgabe der Archivierung, wodurch sich die Standorte in Bremervörde und Rotenburg (Wümme) zu zentralen Anlaufstellen entwickeln sollen, wenn es um die historische Auseinandersetzung mit der Region, ihrer Einwohner und Orte geht – ganz egal, ob es um heimatkundliche, genealogische, schulische oder wissenschaftliche Forschung geht.
Archivarin Christine Heitmannn
In den letzten Monaten hat sich die eigens für diese Aufgabe eingestellte Archivarin Christine Heitmann mit den Gegebenheiten im Landkreis und den von ihr betreuten Kommunen vertraut gemacht. Etwa mit den im Kreis- und Kommunalarchiv bereits vorhanden historischen Beständen der Gemeinden sowie mit den Verhältnissen der Schriftgutverwaltung und anstehenden Aussonderungen von Unterlagen in den Verwaltungen vor Ort. Bei einem ersten Treffen erhielten die in den einzelnen Kommunen für den Archivbereich zuständigen Personen bereits Einblicke in die Arbeits- und Funktionsweisen des Archivs und der zukünftigen Kooperation.
Online-Bereitstellung von Daten
Wurden die gemeindlichen Bestände bisher im Archiv vor allem gesichert und verwahrt, wird jetzt aktiv an der Bildung einer Gemeindeüberlieferung und deren Bereitstellung für die Öffentlichkeit gearbeitet. Dabei geht es zunächst um die Onlinestellung von Metadaten über das im Kreis- und Kommunalarchiv vorhandene Archivgut im Archivinformationssystem Arcinsys (https://www.arcinsys. niedersachsen.de). In dieser online frei zugänglichen Datenbank kann sich jeder über das im Archiv vorhandene Archivgut informieren und seine Recherchen in den Benutzerräumen in Bremervörde und Rotenburg vorbereiten.
Ausbau des Standortes Rotenburg (Wümme)
Ein wichtiges Anliegen, dass ebenfalls mit der Kooperation verfolgt wird, ist der Ausbau des seit 2012 bestehenden Rotenburger Standortes des Kreis- und Kommunalarchivs, dessen Bibliothek und Archivbestände im Kern auf das ehemalige Rotenburger Institut für Heimatforschung des Heimatbundes zurückgehen. Bereits Ende der 1990er Jahre mussten aus rechtlichen Gründen die amtlichen Archivbestände des Altkreises Rotenburg vom Institut in das Kreisarchiv Bremervörde verlagert werden, wodurch eine ortsnahe Benutzung ohne lange Anfahrtswege nicht mehr möglich war. Eben diese soll durch eine schrittweise Rückverlagerung mittelfristig wieder gewährleistet werden. So ist der Bestand des ehemaligen Landratsamtes Rotenburg mit einer Laufzeit von etwa 1885 bis 1945 nach einer Neuverpackung bereits seit Ende letzten Jahres wieder in Rotenburg zugänglich. Weitere Bestände des Altkreises Rotenburg bis 1977 werden nach einer konservatorischen Bearbeitung nach und nach zurück verlagert.
Rechercheanfragen – Kontakt
Denn eine möglichst intensive Nutzung der im Archiv verwahrten Quellen durch Schüler, Studenten, Heimatforscher, Wissenschaftler, Genealogen und andere Interessierte ist das entschiedene Ziel der archivarischen Arbeit. Rechercheanfragen jeglicher Art nehmen die Archivmitarbeitnden gerne per Email (kreisarchiv@lk-row.de) oder telefonisch (04761 983-5115) entgegen.
BUZ: (von links) Sönke Kosicki, Landrat Marco Prietz, Christine Heitmann und Meike Dreyer freuen sich über die Zusammenarbeit mit den Kommunen. Foto Landkreis