Rotenburg. Nach drei intensiven und erfolgreichen Jahren endet das Projekt „mitten:drin – Anlaufstelle für Frauen mit Fluchterfahrung“ in der Rotenburger Innenstadt. In dieser Zeit hat das Projekt nach Mitteilung von Johannes Stephens, Leiter Flüchtlingshilfe, einen wichtigen Beitrag zu Integration, Teilhabe und Vernetzung im Landkreis Rotenburg (Wümme) geleistet. Umso größer sei das Bedauern, dass diese Arbeit nun zum Abschluss kommt – verbunden mit großer Dankbarkeit für das gemeinsam Erreichte.
„mitten:drin“ hat Frauen mit Fluchterfahrung einen offenen, niedrigschwelligen Ort im Herzen der Stadt geboten. Sie konnten ankommen, Kontakte knüpfen, Deutsch im Alltag üben, Beratung erhalten und sich gegenseitig stärken. Sprachcafés, kreative und bewegungsorientierte Angebote, Empowerment-Workshops, thematische Gesprächsrunden sowie gemeinsame Aktivitäten und Ausflüge – die stets auch offen für die Mitwirkung von Ehrenamtlichen waren und bei denen Ehrenamtliche regelmäßig begleitend eingebunden waren – haben Orientierung, Selbstvertrauen und gesellschaftliche Teilhabe gefördert. Ergänzt wurde dies durch individuelle Begleitung bei Alltagsfragen, im Umgang mit Behörden sowie bei der Entwicklung persönlicher und beruflicher Perspektiven.
In den verbleibenden Wochen liegt der Fokus des Teams besonders darauf, die im Projekt angebundenen Frauen weiterhin gut zu begleiten und gemeinsam mit ihnen andere Anlaufstellen und verlässliche Ansprechpersonen im Landkreis Rotenburg (Wümme) zu finden. Ziel ist es, die Frauen in dieser Übergangsphase nicht allein zu lassen und sicherzustellen, dass sie auch künftig Unterstützung erhalten – etwa bei Themen der Arbeits- und Ausbildungsintegration, beim Verstehen von Briefen und Anträgen sowie bei Anliegen rund um Kinder, Sprache und Alltag.
Getragen wurde das Projekt vom Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme), das „mitten:drin“ mit einem hohen finanziellen Eigenanteil aus eigener Verantwortung unterstützt hat. Trotz dieses starken Engagements und intensiver Bemühungen um eine Anschlussfinanzierung kann das Projekt nicht weitergeführt werden.
Zum Abschluss laden die Projektverantwortlichen alle Interessierten zu einer öffentlichen Abschiedsfeier am 27. Januar, 10 Uhr, ein. Die Veranstaltung findet in den Räumen des Projekts in der Rotenburger Innenstadt statt. Eingeladen sind Teilnehmerinnen, Netzwerkpartnerinnen und -partner, Ehrenamtliche, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Bürgerinnen und Bürger aus Stadt und Landkreis. Die Feier bietet Gelegenheit, gemeinsam zurückzublicken, Dank auszusprechen und die geleistete Arbeit zu würdigen.
„Wir sind dankbar für alles, was in diesen drei Jahren gewachsen ist“, sagt Matthias Richter, Vorstand des Diakonissen-Mutterhauses. „Das Mutterhaus hat das Projekt aus tiefer Überzeugung und mit erheblichen Eigenmitteln getragen, weil wir gesehen haben, wie wichtig dieser Ort für Frauen mit Fluchterfahrung war. Dass wir ‚mitten:drin‘ nun beenden müssen, bedauern wir sehr – zugleich blicken wir mit großem Respekt auf das Erreichte.“ Besonders erfolgreich war der Ansatz, die Angebote gemeinsam mit den Frauen weiterzuentwickeln und ihre Bedarfe konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Viele Teilnehmerinnen stärkten im Projekt ihr Selbstbewusstsein, verbesserten ihre Sprachkenntnisse, bauten tragfähige soziale Netzwerke auf und wagten neue Schritte – sei es im Ehrenamt, in Richtung Ausbildung, Qualifizierung oder Arbeitsmarkt. Darüber hinaus entstand ein lebendiges Netzwerk auch unter den Frauen selbst, das über das Projekt hinaus trägt.
Projektleiterin Laura Karrasch betont: „In ‚mitten:drin‘ ging es nie nur um Angebote, sondern um Beziehungen und Vertrauen. Wir haben erlebt, wie Frauen mutiger wurden, Verantwortung für sich selbst übernommen haben und ihren Platz in der Gemeinschaft gefunden haben. Dass dieses Projekt nun endet, schmerzt sehr – aber die Entwicklungen und Begegnungen, die hier entstanden sind, wirken weiter.“
Ein zentraler Erfolgsfaktor war zudem die enge Vernetzung im gesamten Landkreis Rotenburg (Wümme). Über die Jahre ist ein belastbares Netzwerk aus Beratungsstellen, Initiativen, ehrenamtlich Engagierten, Bildungsträgern, kommunalen Akteurinnen und Akteuren sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern entstanden. Diese Zusammenarbeit ermöglichte passgenaue Unterstützung, kurze Wege und nachhaltige Übergänge in bestehende Angebote.
„‚mitten:drin‘ war ein verbindendes Element innerhalb der Flüchtlingshilfe im Landkreis“, erklärt Johannes Stephens, Bereichsleiter der Flüchtlingshilfe. „Das Projekt hat Frauen nicht nur begleitet, sondern sie aktiv mit bestehenden Strukturen vernetzt. Diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit war ein großer Gewinn für die gesamte Region.“
Auch wenn „mitten:drin“ endet, bleibt die Überzeugung, dass das Engagement, die Beziehungen und die aufgebauten Netzwerke weiterwirken – bei den Frauen, im sozialen Umfeld und im gesamten Landkreis Rotenburg (Wümme).
Hintergrund
„mitten:drin – Anlaufstelle für Frauen mit Fluchterfahrung“ ist ein Projekt des Diakonissen-Mutterhauses Rotenburg (Wümme) und wurde durch das Deutsche Hilfswerk gefördert.
Fotos: Laura Karrasch

