Sittensen. Tobias Halecker ist seit fast einem Jahr Leiter des Bauhofes der Gemeinde Sittensen. Am 15. September 2025 hat der 44-Jährige die Position übernommen. Mit Ehefrau Lisa, die aus Sittensen stammt, hat er hier ein Haus gekauft und ist inzwischen stolzer Vater eines sieben Monate alten Sohnes.
Wie sich der Arbeitsalltag gestaltet und welche Herausforderungen zu bewältigen sind, darüber hat der Sittenser in einem Interview gesprochen.
Was hat Sie dazu bewogen, die Leitung des Bauhofes in Sittensen zu übernehmen?
Ich war vorher in Norderstedt in einer großen Sondermaschinenbaufirma tätig. Dort waren wir weltweit auf Montage unterwegs. Die täglichen Fahrten nach Norderstedt, immer durch den Elbtunnel, sind kein Geschenk. Durch Zufall bin ich auf die Stellenanzeige der Gemeinde Sittensen gestoßen, habe mich über die Arbeit eines Bauhofes und die des Leiters informiert und mich dann für eine Bewerbung entschieden.
Welche Erfahrungen bringen Sie für diese Aufgabe mit?
Ich habe schon in der früheren Firma Teams geleitet, auch auf Montagen. Meine Ausbildung als Konstruktionsmechaniker habe ich in Deutschlands ältester Schiffswerft absolviert und dort bis zur Firmeninsolvenz weitergearbeitet, zuletzt in Meisterposition. Auf die neue Tätigkeit habe ich mich intensiv vorbereitet, trotzdem bedarf es natürlich eines Lernprozesses angesichts des umfangreichen Aufgabengebietes, dass diese Leitungsposition mit sich bringt. Und auch die Aufgaben des Bauhofes sind sehr vielfältig. Neben Wartungs-, Pflege- und Unterhaltungsmaßnahmen sind das Vorbereitungen für Feste, die in der Gemeinde stattfinden und für mich die Teilnahme an Sitzungen, die thematisch auch den Bauhof betreffen.
Was waren Ihre ersten Eindrücke von der Gemeinde und dem Bauhof?
Dass es sich um ein sehr großes Einzugsgebiet handelt, zumal wir auch für Arbeiten in den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde zuständig sind. In meiner ersten Einarbeitungsphase, einen Monat hat mich noch mein Vorgänger Dietmar Keller begleitet, sind wir mit dem Auto das Zuständigkeitsgebiet abgefahren. Da hat sich mir erschlossen, wie weit weg wir dabei von Sittensen sind. Denn wir sind auch für Ortsverbindungsstraßen zuständig, unter anderem in der Gemarkung Hohenhausen bei Wohnste oder beim Drei-Kreis-Stein.
Welche Aufgaben sehen Sie als besonders wichtig an?
Die Wartung und Pflege der kommunalen Flächen und Gebäude. Immer unter der Prämisse, dass wir mit den personellen Ressourcen auskommen müssen, die uns zur Verfügung stehen. So kann man beispielsweise Grünschnittmaßnahmen oft nicht mal eben von jetzt auf gleich erledigen. Wir bemühen uns wirklich, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten. Mit mir sind wir 14 Mitarbeiter.
Welche Herausforderungen sehen Sie im Arbeitsalltag eines Bauhofleiters?
Auflagen und Verfahrenswege, die einzuhalten sind. Egal ob es um Anschaffungen oder Sanierungsarbeiten geht, es müssen Ausschreibungen stattfinden. Da kann der Zeitfaktor schon lang werden. Grundsätzlich sind der bürokratische Aufwand und lange Antragsverfahren immens. Die anfallenden Verwaltungsarbeiten gehen alle über meinen Schreibtisch, gleichzeitig ist es auch wichtig, sich vor Ort einen persönlichen Eindruck zu verschaffen. Das ist herausfordernd, aber ich gebe mein Bestes.
Gibt es Projekte oder Themen, die Sie in den kommenden Monaten besonders angehen möchten?
Wegebau und Wanderwege. Es steht und fällt aber mit den personellen Ressourcen. Auch die Wetterbedingungen müssen passen. Im strömenden Regen kann kein Wegebau gemacht werden. Sturmschäden haben auch Priorität. Ist eine Ortsverbindungsstraße betroffen, müssen wir auch bis nach Wohnste rausfahren. Es ist viel Flexibilität gefordert, um alle Arbeiten zu koordinieren und in einem zeitgerechten Rahmen ausführen zu können.
Wie möchten Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem Team gestalten?
Grundsätzlich besteht bei uns eine gute Teamarbeit. Die Mitarbeitenden sind alle auf einem fachlich guten Niveau. Mir ist es ganz wichtig, dass eine langfristige Planung erfolgt, wenn langjährige Mitarbeiter beispielsweise in Rente gehen, damit eine entsprechende Einarbeitung erfolgt. Das geht nicht mal eben in einem Monat.
Wie wollen Sie den Bauhof für zukünftige Anforderungen – etwa Digitalisierung oder Nachhaltigkeit – aufstellen?
Den digitalen Sprung müssen wir schaffen. Sei es die digitale Zeiterfassung oder die Straßenbeleuchtung, die, wenn sie dann komplett auf LED umgestellt ist, ebenso digital gesteuert werden soll. Auch im Arbeitsalltag wäre es mein Wunsch, dass wir längerfristig weg von der Papierform kommen und zum Beispiel Arbeitsaufträge über Tablet verschicken.
Was wünschen Sie sich von Politik, Verwaltung und Bevölkerung?
In erster Linie Verständnis. Mir ist der kommunikative Austausch sehr wichtig. Ich bin auch für Kritik offen, aber die Formen der Höflichkeit sollten gewahrt bleiben. Im Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern kommt das mitunter schon mal zu kurz. Wir sind keine Müllabfuhr, auch wenn wir orange Kleidung tragen. Das ist ein unendliches Thema. Ebenso die Hinterlassenschaften von Hunden, dort, wo meine Mitarbeiter die Grünpflege machen sollen. Das macht dann keinen Spaß. Ich wünsche mir einfach einen respektvollen Umgang, vor allem auch für meine Mitarbeiter. Jeden Montag bin ich im Rathaus zu einem Austausch. Das ist gut und wichtig. Von dort ist der Rückhalt wirklich gut.
Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht im Einsatz für die Gemeinde sind?
In erster Linie widme ich mich natürlich meiner Familie. Wir machen gerne Camping, fahren einen Oldtimer, einen Audi 80, Baujahr 1973, unternehmen Ausfahrten und nehmen auch an Oldtimertreffen und Rallyes teil. Wir fahren auch gerne Autocross, dabei haben meine Frau und ich uns kennengelernt. Im Moment sind wir aber nicht aktiv. Mit Kind, Haus und Grundstück sind wir gut ausgelastet. Meine Arbeit macht mir Spaß, und in Sittensen fühlen wir uns sehr wohl. Text/Fotos Meyer
