Sittensen. Zu einem ebenso unterhaltsamen wie stimmungsvollen Abend hatte der Heimatverein der Börde Sittensen ins Heimathaus eingeladen. Unter dem Motto „Jümmer na vörn kieken“ stand die plattdeutsche Sprache im Mittelpunkt – mit Geschichten, Musik und viel Humor.
Als besonderer Gast war der Alfstedter Autor, Lehrer und Plattdeutschbeauftragte des Landschaftsverband Stade, Hans-Hinrich Kahrs, nach Sittensen gekommen. Mit einem augenzwinkernden Sprachkurs führte er das Publikum zunächst in die wichtigsten plattdeutschen Alltagsbegriffe ein. Dabei wurde schnell klar, dass „Moin“ je nach Betonung viele Bedeutungen haben kann, „Süü“ ein Wort für fast jede Situation ist und „denn man too“ als Antwort auf beinahe alles passt. Schnell wurde im Saal viel gelacht.
In seinen plattdeutschen Kurzgeschichten und Alltagsanekdoten nahm Kahrs das Publikum anschließend mit auf eine Reise durch Erinnerungen und Beobachtungen aus dem norddeutschen Alltag – mal heiter, mal nachdenklich, immer mit einem liebevollen Blick auf Menschen und ihre Eigenheiten. Besonders gut kam eine Geschichte über „holländische Kekse“ an, die in Omas Keksdose landeten und schließlich in einem fröhlich eskalierenden Kaffeekränzchen endeten. Der humorvolle Bericht sorgte für große Heiterkeit. Einige ältere Damen kündigten augenzwinkernd an, sich in den nächsten Tagen unbedingt das Rezept besorgen zu wollen. Auch Geschichten aus den 1970er-Jahren ließen viele Zuhörer schmunzelnd in Erinnerungen schwelgen: Etwa als die Haare der jungen Männer länger wurden und sich noch die ganze Familie mit einem Plastik-Kamm frisierte, während besonders „coole“ Halbstarke stolz einen Metallkamm in der Hosentasche trugen und sich vor jedem Spiegel demonstrativ die Haare „striegelten.“ So mancher im Publikum erkannte sich lachend wieder.
Zwischen den Lesungen sorgten Markus Steinbach (Klavier/Gesang) und Heike Winter (Gitarre/Gesang) für die musikalische Begleitung. Mit ihren eigenen Arrangements präsentierten sie ein abwechslungsreiches Programm mit Liedern unter anderem von Ina Müller, den Puhdys und Knut Kiesewetter. Gesungen wurde überwiegend auf Plattdeutsch, doch auch Stücke auf Englisch, Französisch und Hochdeutsch gehörten zum Repertoire.
Die eingängigen Melodien und die ausdrucksstarken Stimmen der beiden Musiker kamen sehr gut an – bei einigen Liedern wurde sogar leise mitgesungen.
Das Zusammenspiel aus plattdeutscher Literatur, humorvollen Erinnerungen und stimmungsvoller Musik sorgte für viele Lacher, aber auch für nachdenkliche Momente. Immer wieder gab es spontanen Applaus und sogar Bravorufe. Am Ende des Abends ließ sich das Duo auch zu einer musikalischen Zugabe überreden – ein Wunsch, der aus den Reihen der Zuhörenden lautstark geäußert wurde.
So wurde der plattdeutsche Abend im Heimathaus zu einem rundum gelungenen und sehr unterhaltsamen Ereignis – ganz im Sinne des Mottos: Ein „kommodiger Avend“, der zum Zuhören, Schmunzeln und Erinnern einladen sollte.

