Rotenburg (Wümme). Die Klinik für Kinder und Jugendliche engagiert sich für mehr Patientensicherheit: Am 17. September findet der Welttag der Patientensicherheit statt. Allgemeine Ziele sind das öffentliche Bewusstsein und Engagement für Patientensicherheit zu steigern, das Verständnis für Patientensicherheit zu verbessern, globale Solidarität und Aktionen zu fördern sowie spezifische Patientensicherheitsprobleme anzusprechen. Unter der Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. findet in Anlehnung an das diesjährige Motto der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „Safe care for every newborn and every child“ unter dem Slogan „Patientensicherheit von Kind an – eine Investition fürs Leben“ eine zentrale Veranstaltung in Berlin statt.
Auch in der Kinderklinik im Diakonieklinikum Rotenburg ist die Patientensicherheit ein elementares Thema. Ein zentrales Anliegen ist es, das Bewusstsein für Fehlerprävention zu stärken – ohne Schuldzuweisungen, aber mit einer offenen, lernorientierten Kultur. „Kinder haben ein Recht auf sichere Versorgung – und das beginnt bei uns allen: im Team, mit den Eltern und mit unseren kleinen Patientinnen und Patienten selbst“, so die beiden Ärztlichen Leiter, Dr. med. Niko Arp und Dr. med. Timo Grüter. „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – sie brauchen besondere Aufmerksamkeit, kindgerechte Kommunikation und eine enge Einbindung der Eltern oder Bezugspersonen. Patientensicherheit beginnt mit Zuhören, Verstehen und dem Mut, auch als Elternteil oder Pflegekraft Fragen zu stellen.“ Dieses sogenannte „Speaking up“ ist ein zentrales Anliegen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit. In der Kinderklinik werden Kinder und Familien und alle Mitglieder des Behandlungsteams als Partner auf Augenhöhe gesehen und sollen ermutigt werden, Bedenken zu formulieren und auszusprechen und Fragen zu stellen.
„Sowohl in die Notaufnahmen der Kliniken und Kinderkliniken als auch in den vertragsärztlichen Notdienst kommen zu viele Patientinnen und Patienten, deren Behandlung auch in der ambulanten Regelversorgung erfolgen könnte oder die keiner akutmedizinischer Versorgung bedürfen. Dadurch sind die Wartezeiten für diejenigen Patientinnen und Patienten, die dringend und notfallmäßig auf medizinische Hilfe angewiesen sind, sehr häufig zu lang“, erklären Arp und Grüter. Mit Hilfe des Konzepts der Triagierung der Dringlichkeit durch Einschätzung und Versorgung erfahrener Fachkräfte, wird auch in der Versorgung der Kindernotaufnahme die Patientensicherheit gewährleistet.
Daneben soll ein Krankenhaus – insbesondere eine Kinderklinik – einen sicheren Ort für Patienten darstellen. So gibt es neben dem institutionellen Kinderschutz und dem interdisziplinären Kinderschutzteam am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg auch eine Kinderschutzambulanz. Nach Zuweisung durch die niedergelassenen, kinderärztlichen Kollegen kümmert sich das Team gemeinsam um Fragen des Kinderschutzes.
Auch Prävention ist ein zentrales Thema der Patientensicherheit. In diesem Rahmen bietet das Diakonieklinikum in diesem Jahr wieder ab dem 1. Oktober für alle in der Klinik geborenen Neugeborenen vor der Entlassung zur Vorsorgeuntersuchung U2 die seit dem vergangenen Jahr empfohlene, passive RSV-Immunisierung an. Bereits in der letzten Saison haben mehr als die Hälfte aller Eltern diesen wirksamen und gut verträglichen Schutz für ihre Neugeborenen zur Entlassung aus dem Klinikum in Anspruch genommen. Ziel ist es, diese Quote zum Schutz der sehr vulnerablen Gruppe deutlich zu steigern und sie damit vor Krankenhausaufenthalten und Folgeschäden zu schützen.
Da zu einer sicheren Versorgung von Neugeborenen und Kindern auch immer eine entsprechende fachliche Expertise und Versorgungsstrukturen gehören, ist deren Erhalt und Finanzierung eine zentrale politische Aufgabe. Deshalb fordern die Berufsverbände zu Recht, dass die geplante Krankenhausreform-Anpassung die spezifischen Belange der Kinder- und Jugendmedizin berücksichtigt und eine verbindliche Aufnahme pädiatrischer Sicherstellungsziele in die Gesetzgebung erfolgen muss.
BUZ: Dr. Niko Arp (rechts) und Dr. Timo Grüter. Foto Diakonieklinikum