Sittensen. Wohnmobile dürfen auf öffentlichen Parkplätzen eine Nacht parken – ohne in den Camping-Modus zu gehen. In Sittensen hält die Gemeinde einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz bei der Wassermühle mit Platz für sechs Fahrzeuge vor, der ganzjährig nutzbar ist.
Es besteht jedoch deutlich mehr Bedarf, was die zunehmende Nutzung von öffentlichen Plätzen belegt. Ein beliebter Platz ist die Parkfläche gegenüber der Freien evangelischen Gemeinde, die auch Besucherinnen und Besuchern des Heimathauses zur Verfügung steht. Die idyllische Lage zieht Wohnmobilisten vermehrt an – sehr zum Leidwesen der Anwohnenden. Sie fühlen sich in ihrer Wohn- und Lebensqualität beeinträchtigt und klagen insbesondere über abgelegte Abfälle und entsorgte Fäkalien im Gebüsch. Eine Entsorgungsinfrastruktur ist dort nicht gegeben.
Bürgermeister und Verwaltung hatten nach vermehrten Beschwerden dort ein Verbotsschild aufstellen lassen. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates kam das schier unendliche Thema erneut zur Sprache. Eine Anwohnerin klagte dabei auch über eingeschränkte Zufahrtswege, Grünflächen und Straßenrandstreifen durch parkende Wohnmobile.
Aber es gibt auch andere Meinungen. Denn: Die Wohnmobilisten nutzen die örtliche Infrastruktur und stellen einen touristischen Nutzen dar. So hat der Projektleiter des Kräutergartens am Heimathaus, betrieben durch den Seniorenbeirat der Samtgemeinde, einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen festgestellt, denn die Wohnmobilisten seien gerne und viel am Heimathausgelände spazieren gegangen und hätten den Kräutergarten besucht.
Gemeindedirektor Jörn Keller stellte das Thema bei der Ratssitzung zur Diskussion und bat um ein Votum für das weitere Vorgehen. Unstrittig sind die Wohnmobile-Verbotsschilder am Freibad und am Parkplatz neben dem Rathaus.
Ein Konsens konnte nicht hergestellt werden. Auch unter den Ratsmitgliedern sind die Meinungen kontrovers. Alfred Flacke, der in Vertretung für den erkrankten Bürgermeister Diedrich Höyns die Sitzung leitete, befürchtet ebenso wie Thomas Miesner und Jürgen Sausmikat, dass mit der Sperrung der beliebten Fläche gegenüber der FeG, von der im Übrigen keine Beschwerden kommen, insgesamt eine Verdrängung der Wohnmobilisten aus dem Ort stattfindet. Das sei der touristischen Belebung nicht zuträglich. Eine Entscheidung wurde vertagt, das Thema geht in die Fraktionen zur Beratung.
Auf Nachfrage ließ der Gemeindedirektor noch wissen, dass ein ursprünglich geplanter, neuer, offizieller Stellplatz für Wohnmobile im Bereich des Kampweges derzeit keine Alternative darstellt, da auch für das Vorhaben vom Landkreis ein Bebauungsplan verlangt werde. „Und das Verfahren dauert bekanntlich“, so Keller.
Insofern geht das Prüfen nach geeigneten Lösungen weiter – unter Berücksichtigung von Anwohnerbelangen und touristischen Impulsen. (hm) Foto Meyer