Bremervörde. Das Kreis- und Kommunalarchiv in Bremervörde öffnet am 8. März von 10 bis 17 Uhr seine Türen zum „Tag der Archive.“ Unter dem diesjährigen, bundesweiten Motto „Alte Heimat – neue Heimat“ erwartet die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit einer Ausstellung historischer Quellen, thematischen Führungen sowie Einblicken in die digitalen Angebote des Archivs.
Thematische Führungen bieten Historiker Dr. Henning Müller und Kreisarchivar Sönke Kosicki um 10.30 Uhr und 15 Uhr an. Darüber hinaus besteht ganztägig die Möglichkeit, die Sonderausstellung individuell zu erkunden. Diese kann auch noch am 9. und 10. März, jeweils von 9 bis 16 Uhr, besucht werden.
Anmeldungen zu den kostenlosen Führungen, inklusive Zugang zum sonst nicht öffentlichen Magazinbereich, werden telefonisch unter 04761 983-5115 oder per E-Mail an kreisarchiv@lk-row.de entgegengenommen. Spontane Besuche sind ebenfalls herzlich willkommen.
Neben dem Ausstellungsschwerpunkt erhalten Besucherinnen und Besucher auch Einblicke in die Aufgaben und Zuständigkeiten des Kreis- und Kommunalarchivs. Die umfangreiche regionalgeschichtliche Bibliothek lädt mit thematisch passender Literatur zum Stöbern ein.
Der Aktionstag wird vom Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. organisiert. Alle zwei Jahre beteiligen sich hunderte Archive in ganz Deutschland an dieser Initiative (www.tagderarchive.de).
Unabhängig vom Tag der Archive kann das Kreisarchiv an seinen Standorten in Bremervörde (Bremer Str. 38) und Rotenburg (Weicheler Damm 9–11) besucht werden. Für Anfragen steht das Archivteam jederzeit telefonisch oder per E-Mail zur Verfügung. www.lk-row.de/kreisarchiv
Auswanderung aus dem Elbe-Weser-Raum im Fokus
Im Mittelpunkt des diesjährigen Programms steht die Geschichte der Auswanderung aus dem zentralen Elbe-Weser-Raum vom frühen 19. Jahrhundert bis zur erzwungenen jüdischen Emigration in der NS-Zeit. Anhand ausgewählter Archivalien aus dem Kreis- und Kommunalarchiv sowie Objekten des Bachmann-Museum Bremervörde wird dieses bedeutende Kapitel regionaler Geschichte anschaulich vermittelt.
Historische Quellen – analog und digital
Gezeigt werden unter anderem Auswandererlisten aus den ehemaligen Ämtern und Kreisen Bremervörde, Rotenburg und Zeven. Sie reichen bis in die 1840-er Jahre zurück und ermöglichen ganz individuelle Recherchen nach einzelnen Personen und Familien.
Anlässlich des Aktionstages wurden die im Archiv überlieferten Auswandererlisten digitalisiert und in der frei zugänglichen Datenbank Arcinsys online bereitgestellt. Besucherinnen und Besucher können am Tag der Archive per QR-Code direkt auf die digitalisierten Bestände zugreifen und in den historischen Listen blättern.
„Die Digitalisierung eröffnet dem Kreis- und Kommunalarchiv ganz neue Wege, Regionalgeschichte lebendig zu vermitteln. Ausgewählte Quellen, wie die Auswandererlisten, sind in der Ausstellung als Originale zu sehen und können zugleich digital im Detail erkundet werden. So laden wir Besucherinnen und Besucher ein, ganz nah heranzugehen und die spannende Geschichte einzelner Auswanderer nachzuvollziehen“, so Kreisarchivar Sönke Kosicki.
Persönliche Einblicke und Vereinswesen in Übersee
Ein besonderes Highlight bilden originale Auswandererbriefe aus dem 19. Jahrhundert. Die Schreiben an Familie und Freunde in der alten Heimat vermitteln authentische Eindrücke von der Reise über die Ankunft bis hin zu den Lebensbedingungen in den Zielländern.
Ausgehend von einem im Kreis- und Kommunalarchiv überlieferten Protokollbuch des „Bremervörder Vereins von Brooklyn“ wird zudem ein Schlaglicht auf das deutsche Vereinswesen in Übersee geworfen. Denn die aus dem Elbe-Weser-Raum Ausgewanderten organisierten sich in einer vielfältigen Vereinslandschaft, in der sie nicht nur mitgebrachte Traditionen pflegten, sondern sich auch gegenseitig sozial absicherten.
Zwei Erfolgsgeschichten aus der Region
Darüber hinaus werden zwei bemerkenswerte Lebenswege vorgestellt: Der aus Lamstedt stammende Claus Spreckels (1828–1908) wurde in den USA als „Sugar King“ zu einem der bedeutendsten Zuckerfabrikanten in Kalifornien und auf Hawaii, während er in seiner Heimat seitens des Amtes Bremervörde zunächst als Militärflüchtling verfolgt wurde.
Ebenso beeindruckend ist die Geschichte des Schuhmachers Jürgen Böckmann (1856–1912), geboren in Elm und aufgewachsen in Hesedorf bei Bremervörde. Er gründete 1905 in Minnesota die bis heute bestehende „Red Wing Shoe Company.“
BUZ: Die Mitarbeiter des Kreis- und Kommunalarchivs freuen sich auf viele Besucher am Tag der Archive (Anke Schriefer, Meike Dreyer, Christine Heitmann, Sönke Kosicki, Henning Müller).
Analog und digital: Einmalige Auswandererlisten aus der Region wurden anlässlich des Tages der Archive digitalisiert.
