Sittensen. Die Mitgliederversammlung des VfL Sittensen war geprägt von kontroversen und langwierigen Debatten. Über mehrere Stunden hinweg zogen sich die Diskussionen über Richtungen, Führung und zukünftige Projekte. Die Abstimmungen bei den Vorstandswahlen gestalteten sich zäh; Mehrheiten waren wechselhaft. Ein Antrag auf geheime Wahl fand nicht die erforderliche Ein-Drittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder. 215 waren stimmberechtigt. Knapp 2400 Mitglieder zählt der Sportverein, der sich aus 17 Abteilungen zusammensetzt.
Die Zusammenkunft konnte erst nach einer Verzögerung von über einer halben Stunde starten, da am Eingang zum Versammlungsraum im Ludwig Otto-Ehlers-Haus kontrolliert wurde, dass nur an stimmberechtigte Mitglieder Stimmkarten ausgegeben werden.
Vorstandsposten nicht vollständig besetzt
Der bisherige, kommissarische stellvertretende Vorsitzende Willy Fröhlich wurde bei 37 Gegenstimmen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Ebenfalls mit Mehrheitsvotum wurde Katharina Behrens zur stellvertretenden Vorsitzenden, Andrzej Nowak zum Sport- und Gerätewart und Katrin Krumm zur Sozialwartin gewählt. Neue Besitzerinnen des Vorstandes sind Andrea Osterloh und Bettina Haneke, Christian Kelm aus der Fußball-Abteilung, der sich selbst zum Beisitzer vorgeschlagen hatte, bekam nicht die erforderliche Mehrheit.
Die Posten der Kassen- und Schriftführung konnten nicht besetzt werden. Nils Voss hatte als kommissarischer Kassenwart den Kassenbericht 2024 und den Haushaltsplan 2025 vorgestellt.
Beitragsanpassung – vierteljährlicher Einzug
Beschlossen wurde eine Änderung im Einzug der Mitgliedsbeiträge von halb- auf vierteljährlich, um, wie Willy Fröhlich erläuterte, die Kostenbelastung zu verringern.
Die Beiträge werden leicht erhöht, was mit allgemeinen Preissteigerungen und vor allem mit den Personalkosten – überwiegend für Übungsleiterinnen und -leiter – als größten Etatposten begründet wurde. Voss betonte, dass es außerdem erforderlich sei, Rücklagen zu schaffen, da der Verein eine umfangreiche Infrastruktur vorhalte. Dazu zählen der VfL-Treff, das Theaterhaus und die Waldbühne, die Tennisanlage und der Kunstrasenplatz mit C-Sportanlage. Es fließen jedoch auch Zuschüsse, unter anderem von der Gemeinde Sittensen, dem Landes- und Kreissportbund.
Nach der neuen Beitragsordnung ab 1. Januar 2026 zahlen vierteljährlich Familien und Ehepaare 69 Euro, Erwachsene 42 Euro, Kinder und Jugendliche 21 Euro, Ermäßigungsbeiträge auf Antrag belaufen sich auf 24 Euro. Hinzu kommen einzelne Spartenzusatzbeiträge.
Der kommissarische Kassenwart vermeldete für das Geschäftsjahr 2024 ein Minus von 52.314 Euro. Zur Begründung führte er Abschreibungen aus Investitionen der vergangenen Jahre und die hohen Personalkosten an. Ebenso präsentierte er einen Auszug aus defizitären Positionen, die sich auf die Sparten Fußball (-27.682 Euro) Tennis (- 17.000 Euro), Turnen (- 11.295 Euro), Tanzen (- 6725 Euro), Handball (- 6218 Euro), Tischtennis (- 5321 Euro) bezogen. Voss machte dennoch deutlich, dass der Verein nicht insolvent sei: „Aktuell sind wir liquide, der laufende Betrieb ist nicht gefährdet.“ Er prognostizierte im Jahresergebnis 2025 eine Verbesserung durch geringere Personalkosten, höhere Zuschüsse, Mehreinnahmen durch die Beitragsanpassung und die zur Abrechnung kommenden Betriebskostenanteile für die Jahre 2022 bis 2024 für den Kunstrasenplatz und die C-Sportanlage, die mit der Samtgemeinde geteilt werden.
Hitzige Wortbeiträge
Es kam es zu hitzigen Wortbeiträgen zu Transparenz, Verantwortlichkeiten und dem schwelenden Konflikt zwischen der Leistungsabteilung im Jugendfußball und dem Gesamtvorstand. Inzwischen ist von der Abteilungsleitung des umstrittenen Leistungsprojektes entschieden worden, dieses nicht fortzuführen. Dazu ergriff Adrian Timmermann das Wort. Trainer und Leitung sind inzwischen zurückgetreten. Grund sind Personalien, Vertragsangelegenheiten und die Finanzierung des Projektes. Dazu kann kein Konsens mit dem Gesamtvorstand gefunden werden.
Timmermann machte deutlich, dass qualifizierte Trainer gebraucht würden, um das Konzept weiter erfolgreich fortführen zu können. „Der zeitliche Aufwand ist zu hoch, um einen solchen Einsatz im Ehrenamt leisten zu können“, verdeutlichte er. Die Bemühungen seien gescheitert, Handlungsfreiheit und finanzielle Unterstützung zu bekommen. „Leistungsfußball kostet Geld, ist aber eine tolle Werbung für den Verein“, so Timmermann.
„Wir bedauern die Entwicklung im Leistungsfußball, aber die Finanzierung war nicht ausreichend berücksichtigt. Auch alle rechtlichen Voraussetzungen müssen gewährleistet sein. Es ist erforderlich, dem Projekt eine neue Struktur zu geben und dazu ein Grundgerüst zu entwickeln“, entgegnete Willy Fröhlich.
Gehör fanden seine Worte bei den Anhängern aus dem Leistungsbereich, die sich zur Versammlung formiert hatten, nicht. Zweifel zu den dargelegten Zahlen aus dem Finanzbericht wurden laut, selbst der Bericht der Kassenprüfer, vorgestellt von Herbert Osterloh, erntete Misstrauen ob einer adäquaten Prüfung aller Kassen. „Das brachte Osterloh auf den Plan: „Das empfinde ich als deutliches Misstrauen gegen unsere Arbeit. Über vier Stunden haben wir uns mit den Belegen auseinandergesetzt und stichprobenartig alle Kassen geprüft.“ Nichtsdestotrotz verwehrten überwiegend die Mitglieder aus der Leistungsabteilung bei der Abstimmung dem Vorstand die Entlastung.
Unterstützende des Vorstandes gesucht
Bevor es zum Wahlvorgang zu den Vorstandsposten kam, appellierte Wahlleiter Bernd Pichlmeier darum, Verantwortung zu übernehmen und den Vorstand bei seiner Arbeit zu unterstützen. „Da ist jeder Einzelne aus den Abteilungen gefordert“, mahnte er. Trotzdem konnten nicht alle Posten besetzt werden.
„Wir brauchen klare Strukturen und eine konstruktive, vertrauensvolle Kommunikation, damit der Verein langfristig handlungsfähig bleibt“, so der Appell des neuen Vorsitzenden. Unterstützende sind jederzeit willkommen. Nach seinen Worten sollen regelmäßige Treffen mit den Abteilungsleitungen stattfinden und Arbeitsgruppen zu konkreten Themen gebildet werden. (hm)
BUZ: Vorsitzender Willy Fröhlich (Mitte) mit seinem Vorstandsteam Katharina Behrens (rechts), Katrin Krumm (hinten rechts), Andrea Osterloh, Andrzej Nowak und Silke Reuscher (vorne links). Fotos Meyer
