Sittensen. Der Klimawandel ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, die Folgen sind weltweit spürbar. Dürren, Wüstenbildung, Überschwemmungen, Stürme, steigende Meeresspiegel, zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Um auf dieses drängende Thema aufmerksam zu machen, zeigt die Deutsche KlimaStiftung seit 2016 die Wanderausstellung „Klimaflucht.“
Auf Initiative der Klimaschutzmanagerin der Samtgemeinde Sittensen, Dr. Ya-Qing Zhan, macht die Ausstellung nun Station im Sittenser Heimathaus. Die offizielle Eröffnung hat heute Vormittag stattgefunden. Bis zum 2. August, jeweils Freitag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, ist die Präsentation dort zu sehen.
Angesichts der sommerlichen Temperaturen begrüßte der Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters, Stefan Miesner, die Anwesenden zunächst im Freien. Lobende Worte fand er für das Engagement der Klimaschutzmanagerin, die Wanderausstellung nach Sittensen zu holen, denn diese ist stark nachgefragt.
Geschichte, Gemeinschaft, Heimat
Das Heimathaus ist für Ya-Qing Zhan der passende Ort für eine Schau dieser Art: „Geschichte, Gemeinschaft, Heimat charakterisieren das Gebäude und sind auch Merkmale der Ausstellung. Ich lade dazu ein, innezuhalten und nachzudenken, was Heimat bedeutet. Viele Menschen weltweit verlassen ihre Heimat aufgrund des Klimawandels. Die Herausforderungen sind daher groß. Auch in Sittensen müssen wir überlegen, was wir bereits heute tun können und möchten, um unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten“, betonte Ya-Qing Zhan. Klimabildung ist denn auch ein Herzensanliegen von ihr. So erarbeitet sie unter anderem ein Klimaschutzkonzept für die Samtgemeinde.
Zukunft nachhaltig gestalten
„Klimaschutz beginnt mit Wissen, Verständnis und miteinander ins Gespräch zu kommen“, verdeutlichte Ya-Qing Zhan. Die Ausstellung soll deshalb nicht nur informieren, sondern auch zum Austausch anregen und Möglichkeiten aufzeigen, wie auch im Alltag ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann.
Beim Gang durch die Präsentation begegnen den Gästen 14 lebensgroßen Figuren aus verschiedenen Regionen der Erde, die in verständlichen Audio-Sequenzen von realen Sorgen und Schicksalen aus ihrem Alltag berichten. Neben den persönlichen Erfahrungsberichten gibt es Hintergrundinformationen zu den Auswirkungen des Klimawandels und die Größe des ökologischen Fußabdrucks in den jeweiligen Ländern. Ziel ist es, auf klimabedingte Migration aufmerksam zu machen und für die weltweiten Auswirkungen des menschlichen Handelns und Konsums zu sensibilisieren.
Anstieg der Jahresmitteltemperatur
Ebenfalls zu Gast war Fabian Kalisch vom Seewetteramt des Deutschen Wetterdienstes in Hamburg, der das Thema mit auf Deutschland bezogenen Zahlen, Daten und Fakten untermauerte – „für das Verständnis von Wetter und Klima.“ So ist die Jahresmitteltemperatur seit 1881, seitdem gibt es flächendeckende Wetterstationen, seinen Worten zufolge deutlich angestiegen. Seit Messung der Daten sind die Temperaturen in Deutschland um 2,5 Grad wärmer geworden. Den Meeresspiegelanstieg in Cuxhaven seit 1843 bezifferte er auf 40 Zentimeter. Die Vegetationsperiode beginnt etwa drei Wochen eher im Schnitt. Auch die Winter seien deutlich milder geworden. Die Winterniederschläge hätten um 27 Prozent zugenommen. „Prognostisch gesehen ist damit zu rechnen, dass wir bis zum Ende des Jahrhunderts ein paar Grad mehr haben“, ließ er wissen. Das habe Auswirkungen auf die Anzahl der Tage mit hohen Temperaturen. Dann läge man in Deutschland etwa bei 50 bis 60 Sommertagen mit im Schnitt über 25 Grad. Luftmasse, die sich um einen Grad mehr erwärme, könne sieben Prozent mehr Feuchtigkeit binden. Gewitter und Unwetter hätten dann eine höhere Intensität. Dann sei auch mit mehr Katastrophenlagen zu rechnen. Ohne Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen sei zum Beispiel in der Landwirtschaft mit weniger Erträgen zu rechnen. Weltweit könne auch die Wasserknappheit steigen. Zum Abschluss ging er noch auf die Abschwächung des „Jetstreams“ ein. Dieses Starkwindband gerät durcheinander, wenn sich die Erde ungleich erwärmt. Das wiederum führt zu veränderten, sprich langanhaltenden Wetterlagen.
Mit der Wanderausstellung setzt die Samtgemeinde Sittensen ein Zeichen für mehr Bewusstsein und Engagement im Klimaschutz. Denn nur so kann langfristig das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln gestärkt werden. (hm) Fotos Meyer